Solarpflicht in Deutschland: Kommt die Pflicht für Photovoltaik-Anlagen?

Solarpflicht – Deutschland hat dem Klimawandel den Kampf angesagt. Um bis 2030 die Emission an Treibhausgasen um 65% zu reduzieren, soll so schnell wie möglich in allen Bereichen der Umstieg auf erneuerbare Energien durchgeführt werden. Auch der Kleinverbraucher soll bei diesem Plan eine wichtige Rolle spielen. So wird nun diskutiert, ob eine Solardachpflicht für alle Neubauten sinnvoll ist. Gibt es eine bundesweite Solarpflicht? Was sind die Starttermine zur Solarpflicht in den einzelnen Bundesländern? Ab welcher Größe müssen Solaranlagen eingebaut werden? Und was sind die Vor- und Nachteile der Solarpflicht? Lesen Sie in diesem Beitrag alles, was Sie zum jetzigen Stand über die Solardachpflicht wissen müssen.

Was sind Solaranlagen? Aufbau & Funktion

Bevor wir die Solarpflicht in Deutschland genauer beleuchten, klären wir nochmals, was genau eine Solaranlage überhaupt ist und wie diese funktioniert.

Als Solaranlage bezeichnet man die Solarplatten bzw. Solarkollektoren auf dem Dach, welche die Sonnenenergie sammeln und in Wärme umwandeln.

Wenn die Sonnenstrahlen auf die Solarzellen treffen, wird eine elektrische Spannung zwischen der Vorder- und Rückseite der Zelle erzeugt. Metallkontakte absorbieren die Ladung und es entsteht ein Gleichstrom. Da jede einzelne Solarzelle nur eine geringe Strommenge erzeugen kann, werden Solarzellen in Reihe geschaltet, um Solarmodule zu bilden. Damit der Strom in der Immobilie genutzt werden kann, wird ein Wechselrichter eingesetzt, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt.

Hier nochmals die Solaranlage im Überblick:

  • durch Sonnenstrahlen entsteht elektrische Spannung
  • Metallkontakte absorbieren Ladung, es entsteht Gleichstrom
  • Solarzellen werden in Reihe geschaltet um mehr Strom zu erzeugen

Schon gewusst? Bis 2023 soll 90% des Stroms durch Solaranlagen kommen, auf „allen geeigneten Dachflächen“. Ebenfalls, soll die gesamte Wärmeversorgung bis 2030 klimaneutral werden. Lesen Sie hier mehr zu den Änderungen für Neubau im Koalitionsvertrag.

Doch wie genau sieht es Momentan im Bereich Solaranlagen in Deutschland aus? Werfen wir nun einen Blick auf die Neuigkeiten zum Thema Solarpflicht.

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Einführung der Solarpflicht: Bundesregierung & Koalitionsvertrag

In vielen Bundesländern liegen schon jetzt die Gesetzesentwürfe für die kommende Photovoltaik-Pflicht für Neu- und/oder Bestandsbauten auf dem Tisch. Allerdings steht die bundesweite PV-Pflicht für wohn- oder gewerbliche Neubauten noch nicht zur Diskussion. Der bisherige Koalitionsvertrag der SPD, FDP und Grünen lautet wie folgt:

“Alle geeigneten Dachflächen sollen künftig für die Solarenergie genutzt werden. Bei gewerblichen Neubauten soll dies verpflichtend, bei privaten Neubauten soll es die Regel werden.”

Das bedeutet, dass privaten Bauherren momentan noch ein gewisser Spielraum hinsichtlich der Solarpflicht gewährt ist, während die PV-Pflicht für gewerbliche Neubauten schon so gut wie beschlossen ist.

Da der Koalitionsvertrag nur für Neubauten aller Art gilt, bleiben die Bestandsbauten erst mal außen vor, obwohl diese den überwiegenden Teil der Gebäude in Deutschland ausmachen. So gibt es bis dato auch noch kein Gesetz, dass die bundesweite PV-Pflicht im Zuge von Dachsanierungen vorsieht.

Was sagt die Bundesregierung? Die Beschlüsse nochmals zusammengefasst:

  • PV-Pflicht für alle Neubauten so gut wie beschlossen
  • verpflichtend für gewerbliche Neubauten
  • Norm für private Neubauten

Besonders gut eignen sich Dächer mit einer großen Fläche, auf der PV-Anlagen installiert werden können, wie auf diesem Mehrparteienhaus:

Schauen wir uns zunächst den Stand der einzelnen Bundesländer hinsichtlich der Solardachpflicht an.

Solardachpflicht: Stand nach Bundesländern

Da noch kein Bundesweiter Gesetzesentwurf vorliegt, haben es sich einige Bundesländer zur Aufgabe gemacht, die PV-Pflicht selbst voranzutreiben. Auch auf Kommunaler Ebene gibt es einige Städte und Gemeinden, die eigene Gesetze für die Solarpflicht erlassen haben.

Hier finden Sie einen Überblick über die Bundesländer, die bereits ein Gesetz zur PV-Pflicht erlassen haben, oder dieses in Planung ist.

Stand: 19.05.2022

Baden-Württemberg

Das Bundesland Baden-Württemberg gilt als einer der Vorreiter bezüglich der Solarpflicht. Hier finden Sie alle schon festgesetzten Daten bezüglich der Einführung der Solarpflicht.

Der aktuelle Stand der Solarpflicht Baden-Württemberg:

  • Einführung der Solarpflicht ab 2022
  • 1. Januar: PV-Pflicht für gewerbliche Bauten / große Parkplätze
  • 1. Mai: PV-Pflicht für Wohn-Neubauten
  • ab 2023: PV-Pflicht bei grundlegenden Dachsanierungen

Schleswig-Holstein

Auch Schleswig-Holstein will Klimafreundlicher werden und legt die Einführung der Solarpflicht für den Beginn des Jahres 2022 fest.

Geplant wird die Solarpflicht Schleswig-Holstein wie folgt:

  • Einführung der Solarpflicht ab 2022
  • gilt für: Neubauten, Nicht-Wohngebäude & Parkplätze über 100 Stellplätze

Nordrhein-Westfalen

Nordrhein-Westfahlen führt vorerst eine Solarpflicht ein, die ausschließlich für Parkplätze gilt, die mehr als 35 Stellplätze zur Verfügung haben.

Die Solarpflicht in NRW:

  • Einführung der Solarpflicht ab 2022
  • gilt für: Parkplätze über 35 Stellplätze

Bayern

Auch in Bayern sind feste Daten für die Einführung der Solarpflicht festgelegt. Hierbei fällt der Fokus auf alle gewerblichen Gebäude, die Wohnhäuser bleiben erst mal außen vor.

Die Planungen der Solarpflicht in Bayern:

  • Juli 2022: PV-Pflicht für Gewerbe und Industriebauten (Dachfläche ab 50m²)
  • Januar 2023: PV-Pflicht für alle sonstigen Nicht-Wohngebäude

Berlin

Berlin zieht im nächsten Jahr hinterher und möchte ab 2023 die Solarpflicht für alle Neubauten einführen. Aber auch für eine Solarpflicht im Zuge einer Dachsanierung gibt es schon Pläne.

Pläne für die Solarpflicht Berlin:

  • Einführung der Solarpflicht ab 01.01.2023
  • gilt für: Neubauten & Dachsanierungen

Hamburg

Auch Hamburg ist später dran als andere Bundesländer und legt die Solarpflicht in zwei Schritten fest.

So ist die Solarpflicht der Hansestadt Hamburg geplant:

  • Neubauten: Einführung der Solarpflicht ab 01.01.2023
  • bei Dachsanierungen: Einführung der Solarpflicht ab 2025

Niedersachsen

Niedersachsen möchte die Solarpflicht im nächsten Jahr, also 2023 einführen und plant diese für alle gewerblichen Gebäude, die nicht zum Wohnen ausgelegt sind.

Änderungen für die Solarpflicht in Niedersachsen:

  • Einführung der Solarpflicht ab 01.01.2023
  • gilt für: Neubauten & Nicht-Wohngebäude

Rheinland-Pfalz

Auch die Pfalz führ die Solarpflicht ab 2023 ein, möchte sich dabei allerdings auf Parkplätze und Gewerbliche Neubauten fokussieren.

Derzeit wird die Solarpflicht in Rheinland-Pfalz wie folgt geplant:

  • Einführung der Solarpflicht ab 01.01.2023
  • gilt für: Gewerblicher Neubau / Parkplätze über 50 Stellplätze

Auch bestehende Wohnhäuser können, wenn genügend Fläche zur Verfügung steht und der Neigungswinkel des Daches stimmt, mit Solaranlagen aufgerüstet werden:

Vorteile und Nachteile der Solarpflicht

Die Einführung der Solardachpflicht hat viele Befürworter, aber auch Gegner. Auch wenn man hierbei seine CO2-Emissionen deutlich verringern kann, bleibt die Frage, inwiefern sich das auf die gesamte Klimasituation auswirkt. Da man aber klein anfangen muss, gestalten sich der Abbau der bürokratischen Hürden, sowie eingeführte Förderprogramme für PV-Anlagen als sehr attraktiv.

Vorteile der Solarpflicht:

  • Klimafreundlich, sinkende CO2 Emissionen
  • Abbau der bürokratischen Hürden
  • Förderungsprogramme
  • geringere Stromkosten und Geldeinsparungen auf lange Sicht

Der große Vorteil findet sich natürlich in der Klimafreundlichkeit. Allerdings sehen viele die Aufrüstung zum Solarstrom bei Wohnhäusern nicht als den richtigen Weg zur Klimaneutralität an, da die großen Probleme ganz wo anders liegen.

Auch wenn die Anschaffung und Installation einer PV-Anlage einen größeren finanziellen Aufwand darstellt, überwiegt hierbei der Vorteil der sinkenden Stromkosten deutlich, sowie das Geldsparen auf lange Zeit.

Nachteile der Solarpflicht:

  • kein Freiraum für Bauherren
  • hohe einmalige Kosten
  • kleiner Anteil am Weltgeschehen

Häufige Fragen zur Solarpflicht: Zuschüsse, Kosten & WEG

Gibt es für eine Solaranlage staatliche Zuschüsse und wenn ja, wie hoch sind diese? Und kann in einer WEG eine Solaranlage installiert werden? Hier die drei wichtigsten Frage und Antworten für Eigentümer!

Gibt es für eine Solaranlage staatliche Zuschüsse?

Bundesweit stehen Ihnen als Eigentümer zwei verschiedene Arten von Photovoltaik-Förderung zur Verfügung: Zum einen zinsgünstige Kredite der KfW-Bank, mit denen die Investition in eine Photovoltaikanlage unterstützt wird, oder die die im Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelte PV-Einspeisevergütung, die den Betrieb der Solaranlage finanziell fördert.

Kann in einer WEG eine Solaranlage installiert werden?

Die Installation einer PV-Anlage bedeutet in einer WEG eine bauliche Veränderung. Sollten Sie oder ein anderer Miteigentümer der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) also eine PV-Anlage auf dem Dach installieren wollen, brauchen Sie, seit der WEG-Reform 2020, dazu einen Mehrheitsbeschluss der Eigentümerversammlung.

Die Kosten die dafür anfallen tragen die Eigentümer, die dem Beschluss zugestimmt haben. Somit müssen die Kosten bei einer Solarpflicht von der ganzen WEG übernommen werden, da dies eine gesetzliche Vorgabe darstellt und nicht der Wille eines einzelnen ist.

Können die Kosten einer Solaranlage auf den Mieter umgelegt werden?

Generell können die Kosten einer baulichen Veränderung nicht auf den Mieter umgelegt werden. So müssen die Eigentümer für Anschaffung und Reparaturkosten der Solaranlage selbst aufkommen. Allerdings können laufende Kosten, wie Wartungs- und Prüfungskosten auf den Mieter als Betriebskosten umgelegt werden, wenn dazu eine vertragliche Vereinbarung besteht. Auch die kosten des Stroms und der Warmwassererhitzung, die durch die Anlage entstehen, können Sie als Nebenkosten umlegen.

Fazit: Wie steht es um die Solarpflicht in Deutschland?

Momentan gibt es in Deutschland noch keine einheitliche Solarpflicht. Lediglich in einigen Bundesländern wie in Baden-Württemberg oder in Schleswig-Holstein, sowie in einigen Kommunen, liegt ein Gesetz zur Solarpflicht vor.

Die bestehende PV-Pflicht betrifft zum jetzigen Stand vor allem gewerbliche und nicht-bewohnbare Neubauten, sowie bewohnbare Neubauten aller Art. Bestandsimmobilien werden nur in einigen wenigen Bundesländern berücksichtigt und eine Aufrüstung zu PV-Anlagen nur im Zuge einer Dachsanierung durchgeführt.

Hier die wichtigsten Punkte nochmal zusammengefasst:

  • keine bundesweite Solarpflicht
  • Solarpflicht nur in einzelnen Bundesländern oder Kommunen
  • betrifft gewerblicher- oder wohn- Neubau
  • Bestandsimmobilien selten berücksichtigt; Aufrüstung nur bei Dachsanierung

Solaranlage: Solarzellen, Photovoltaik – Alle Typen

Eine Solarzelle oder auch Photovoltaische Zelle, ist ein elektrisches Bauelement, das Sonnenlicht in elektrische Energie umwandelt und gilt als eine der alternativen Energien. Die Zellen werden meistens auf Hausdächern verbaut, um diesem Haus Wärme zum heizen und Strom zu liefern. Heute werden sie immer öfter als erneuerbare Energiequelle in größeren Mengen eingesetzt, wodurch ganze Solarenergiefelder entstehen. Die Voraussetzung für die Inbetriebnahme dieser Zellen ist, dass an die Stelle, an der diese platziert werden sollen, ausreichend Sonnenlicht gelangt. Sie planen eine Umstellung auf eine Photovoltaikanlage oder Bauen gerade ein neues Haus und müssen sich für eine Energiequelle entscheiden? Hier finden Sie alles über Solarzellen und Solarenergie.