Grunderwerbsteuer (Wiki, Definition): Steuer beim Kauf einer Immobilie
Die Grunderwerbsteuer ist beim Immobilienkauf in Deutschland der größte Brocken unter den Kaufnebenkosten — je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 % des beurkundeten Kaufpreises. Gezahlt wird sie einmalig, fällig wird sie kurz nach dem Notartermin, und ohne Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts gibt es keine Eintragung als Eigentümer im Grundbuch. Wer hier blind kalkuliert, verschätzt sich schnell um fünfstellige Beträge — gerade in NRW, Brandenburg oder dem Saarland mit 6,5 %. Dieser Beitrag zeigt, wie die Steuer berechnet wird, welche legalen Hebel es zur Reduzierung gibt und wo die typischen Fallstricke lauern.
Grunderwerbsteuer: Rechtsgrundlage und Auslöser
Geregelt ist die Steuer im Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG). Sie fällt nicht nur beim klassischen Immobilienkauf an, sondern bei jedem Rechtsvorgang, der das Eigentum an einem inländischen Grundstück überträgt — also auch bei Tausch, Zwangsversteigerung, Anteilsvereinigung an grundbesitzenden Gesellschaften oder bei Erbbaurechtsbestellungen.
Wann die Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf entsteht
Steuerauslöser ist nach § 1 GrEStG nicht die Eintragung im Grundbuch, sondern bereits der notariell beurkundete Kaufvertrag. Mit Unterschrift beim Notar entsteht die Steuerschuld — der Notar meldet den Vorgang innerhalb von zwei Wochen an das zuständige Finanzamt (§ 18 GrEStG).
Wer die Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf schuldet
Gesetzlich sind Käufer und Verkäufer Gesamtschuldner (§ 13 GrEStG). In der notariellen Praxis trägt fast immer ausschließlich der Käufer die Steuer — so steht es in 99 % aller Standardverträge. Wer das ändern will, muss aktiv verhandeln; üblich ist das nicht. Zahlt der Käufer nicht, kann das Finanzamt theoretisch auch den Verkäufer in Anspruch nehmen — in der Praxis warten die Behörden zunächst monatelang ab und mahnen den Käufer.
Auflassungsvormerkung und Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf
Die Auflassungsvormerkung im Grundbuch (Abteilung II) wird unabhängig von der Steuerzahlung eingetragen. Sie schützt den Käufer vor Doppelverkäufen und ermöglicht der finanzierenden Bank die Eintragung der Grundschuld — auch ohne Unbedenklichkeitsbescheinigung. Die endgültige Eigentumsumschreibung in Abteilung I dagegen wartet zwingend auf die Steuerzahlung.
Höhe der Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf nach Bundesland
Seit der Föderalismusreform 2006 dürfen die Länder den Steuersatz selbst festlegen. Bayern und Sachsen blieben bei den ursprünglichen 3,5 %, andere Länder haben mehrfach erhöht. Ein aktueller Überblick:
| Bundesland | Steuersatz | Steuer bei 400.000 € | Steuer bei 600.000 € |
|---|---|---|---|
| Bayern | 3,5 % | 14.000 € | 21.000 € |
| Sachsen | 3,5 % | 14.000 € | 21.000 € |
| Hamburg | 5,5 % | 22.000 € | 33.000 € |
| Baden-Württemberg | 5,0 % | 20.000 € | 30.000 € |
| Niedersachsen | 5,0 % | 20.000 € | 30.000 € |
| Bremen | 5,0 % | 20.000 € | 30.000 € |
| Rheinland-Pfalz | 5,0 % | 20.000 € | 30.000 € |
| Sachsen-Anhalt | 5,0 % | 20.000 € | 30.000 € |
| Thüringen | 5,0 % | 20.000 € | 30.000 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6,0 % | 24.000 € | 36.000 € |
| Berlin | 6,0 % | 24.000 € | 36.000 € |
| Hessen | 6,0 % | 24.000 € | 36.000 € |
| Schleswig-Holstein | 6,5 % | 26.000 € | 39.000 € |
| Nordrhein-Westfalen | 6,5 % | 26.000 € | 39.000 € |
| Brandenburg | 6,5 % | 26.000 € | 39.000 € |
| Saarland | 6,5 % | 26.000 € | 39.000 € |
Die Differenz zwischen Bayern und NRW beträgt bei einem 600.000-€-Kauf glatte 18.000 € — Geld, das beim Eigenkapital fehlt. Eine detaillierte Aufstellung aller Kaufnebenkosten nach Bundesland hilft bei der bundesweiten Kalkulation.
Welches Bundesland zählt bei grenznahen Objekten
Maßgeblich ist ausschließlich die Lage des Grundstücks, nicht der Wohnsitz des Käufers oder der Sitz des Notars. Wer in München wohnt und in Salzgitter (Niedersachsen) kauft, zahlt 5,0 %. Wer in Hamburg lebt und in Schleswig-Holstein einkauft, zahlt 6,5 %. Bei Investments mit Standortwahl macht das in der Kapitalanlage-Kalkulation einen messbaren Unterschied.
Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf berechnen
Die Berechnung ist mathematisch trivial: Steuersatz × Bemessungsgrundlage. Komplex wird es nur bei der Frage, was eigentlich zur Bemessungsgrundlage zählt. Für eine schnelle Kalkulation eignet sich der Grunderwerbsteuer-Rechner, der auch Inventar-Abzüge korrekt berücksichtigt.
Bemessungsgrundlage: Was wirklich besteuert wird
Bemessungsgrundlage ist nach § 8 GrEStG die „Gegenleistung“ — bei einem normalen Kauf also der vereinbarte Kaufpreis inklusive übernommener Lasten. Hier liegt der größte Hebel zur legalen Reduzierung.
Was zur Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf gehört
Voll steuerpflichtig sind folgende Positionen, die in der Praxis häufig übersehen werden:
- Reiner Kaufpreis für Grundstück und Gebäude
- Übernommene Grundschulden und Hypotheken
- Bereits entstandene Erschließungsbeiträge
- Auf den Käufer abgewälzte Maklerprovision
- Wertbildende fest verbundene Bestandteile
- Übernommene Wohnrechte oder Nießbrauch
Was sich aus der Bemessungsgrundlage herausrechnen lässt
- Bewegliches Inventar (Einbauküche, Markisen, Sauna)
- Instandhaltungsrücklage bei Eigentumswohnungen
- Noch nicht entstandene Erschließungsbeiträge
- Übernommene Mietkautionen
- Separate Verträge über Möbel oder Gartengeräte
- Photovoltaik-Anlagen mit eigenem Kaufvertrag
- Heizöl-Restbestände im Tank
Praxis-Tipp: Wird im Kaufvertrag eine Einbauküche für 8.000 € und eine Sauna für 5.000 € separat ausgewiesen, sinkt die Bemessungsgrundlage um 13.000 €. Bei 6,5 % spart das 845 € Steuer. Wichtig: Die Werte müssen marktüblich und nachweisbar sein — der Bundesfinanzhof (Az. II R 49/17) hat klar gemacht, dass Inventar einen plausiblen Restwert haben muss. Hebt das Finanzamt die Beträge auf, drohen Nachzahlung plus Zinsen.
Instandhaltungsrücklage korrekt herausrechnen
Bei Eigentumswohnungen geht die anteilige Instandhaltungsrücklage nach § 16 Abs. 1 WEG nicht auf den Käufer über — er erwirbt nur das Sondereigentum, die Rücklage gehört der WEG. Trotzdem listen viele Notare den anteiligen Betrag aus, um die Bemessungsgrundlage zu reduzieren. Der BFH hat die Praxis im Urteil II R 49/17 jedoch eingeschränkt: Beim klassischen Asset Deal ist der Abzug nicht mehr automatisch zulässig. Bei einer Rücklage von 15.000 € macht das in NRW immerhin 975 € Differenz.
Rechenbeispiel Grunderwerbsteuer in NRW (Eigentumswohnung)
Folgender realer Fall zeigt, wie sich die Steuer in der Gesamtkalkulation auswirkt — und wie man legal optimiert.
Ausgangsfall
| Position | Betrag |
|---|---|
| Beurkundeter Kaufpreis (ETW Köln) | 450.000 € |
| Bundesland NRW, Steuersatz | 6,5 % |
| Grunderwerbsteuer ohne Optimierung | 29.250 € |
Optimierter Fall
| Position | Betrag |
|---|---|
| Reiner Kaufpreis Immobilie | 432.000 € |
| Inventar (Küche, Einbauschränke) | 10.000 € |
| Anteilige Instandhaltungsrücklage | 8.000 € |
| Bemessungsgrundlage | 432.000 € |
| Grunderwerbsteuer optimiert (6,5 %) | 28.080 € |
| Ersparnis | 1.170 € |
Zweites Rechenbeispiel: Einfamilienhaus in Bayern
Bei niedrigerem Steuersatz wirkt der Inventar-Abzug prozentual genauso, absolut aber kleiner. Trotzdem rechnet sich auch hier jede Optimierung — gerade weil sie den Kaufpreisfaktor brutto verbessert.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Beurkundeter Kaufpreis (EFH München-Umland) | 820.000 € |
| Inventar (Sauna, Küche, EBK Hauswirtschaft) | 22.000 € |
| Photovoltaik (separater Vertrag) | 15.000 € |
| Bemessungsgrundlage | 783.000 € |
| Grunderwerbsteuer Bayern (3,5 %) | 27.405 € |
| Steuer ohne Optimierung | 28.700 € |
| Ersparnis | 1.295 € |
In der Gesamtbetrachtung der Kaufnebenkosten kommen zur Grunderwerbsteuer noch Notarkosten (rund 1,5 %), Grundbuchgebühren (0,5 %) und gegebenenfalls die Maklerprovision (3,57 %) hinzu. Insgesamt bewegen sich die Erwerbsnebenkosten in NRW bei rund 11–12 %, in Bayern bei 8–9 % des Kaufpreises.
Fälligkeit und Zahlung der Grunderwerbsteuer
Die zeitliche Abfolge ist gesetzlich klar geregelt — wer hier den Cashflow falsch plant, gerät in Liquiditätsprobleme.
Fristen rund um die Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf
| Schritt | Frist | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Notarmeldung an Finanzamt | 2 Wochen | § 18 GrEStG |
| Versand Steuerbescheid | 4–8 Wochen | Verwaltungspraxis |
| Zahlungsfrist nach Bescheid | 1 Monat | § 15 GrEStG |
| Säumniszuschlag bei Verzug | 1 % pro Monat | § 240 AO |
| Unbedenklichkeitsbescheinigung | nach Zahlung | § 22 GrEStG |
| Grundbucheintragung | nach Bescheinigung | § 22 GrEStG |
Folgen verspäteter Zahlung
Wer nicht rechtzeitig zahlt, bekommt 1 % Säumniszuschlag pro angefangenem Monat (§ 240 AO) — und blockiert sich selbst die Eigentumsumschreibung. Die Bank zahlt das Darlehen meist erst aus, wenn die Auflassungsvormerkung im Grundbuch steht — nicht der Eigentumsübergang. Hier ist Timing entscheidend, gerade bei knapper monatlicher Belastung.
Stundung der Grunderwerbsteuer beantragen
Eine Stundung nach § 222 AO ist theoretisch möglich, in der Praxis aber selten erfolgreich. Voraussetzung: erhebliche Härte für den Steuerpflichtigen, Anspruch nicht gefährdet. Wer die Steuer nicht zahlen kann, hat meist generell ein Finanzierungsproblem — der DSCR-Check hätte das vor Beurkundung aufgedeckt.
Befreiungen von der Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf
§ 3 GrEStG enthält eine abschließende Liste an Befreiungstatbeständen. Wer hineinpasst, spart komplett — wer es versucht zu konstruieren, riskiert Steuerhinterziehung.
Wichtigste Befreiungstatbestände
- Kauf zwischen Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern
- Übertragung an Verwandte in gerader Linie
- Erwerb durch Erbschaft oder Schenkung
- Bagatellgrenze: Kaufpreise unter 2.500 €
- Aufteilung im Rahmen einer Scheidung
- Übertragung zwischen Eltern und Kindern
- Schwiegerkinder und Stiefkinder (gleichgestellt)
Geschwister sind nicht in gerader Linie verwandt — ihr Immobilienkauf untereinander ist also voll steuerpflichtig. Hier wird oft falsch beraten. Bei vermieteten Objekten lohnt sich vor Übertragung ein Blick auf Spekulationssteuer und Bemessung im Schenkungsfall.
Patchworkfamilien und Lebenspartner ohne Trauschein
Unverheiratete Paare ohne eingetragene Lebenspartnerschaft zahlen volle Grunderwerbsteuer, auch nach 20 Jahren Beziehung und gemeinsamen Kindern. Erst die standesamtliche Eheschließung oder eingetragene Lebenspartnerschaft öffnet die Befreiung nach § 3 Nr. 4 GrEStG. Wer ein Haus vom Partner kaufen will, sollte vorher heiraten — das spart bei 500.000 € Kaufpreis in NRW satte 32.500 €.
Share Deals als Sonderfall
Bei Anteilskäufen an grundbesitzenden Gesellschaften greift die Steuer ab einer Beteiligung von 90 % (vorher 95 %, verschärft seit Juli 2021). Die Haltefrist wurde von 5 auf 10 Jahre erhöht (§ 1 Abs. 2a, 2b, 3, 3a GrEStG). Für private Käufer praktisch irrelevant — für institutionelle Investoren ein Milliardenmarkt, der politisch zunehmend geschlossen wird.
Grunderwerbsteuer beim Immobilienkauf steuerlich absetzen
Hier scheitern viele Eigennutzer an falschen Erwartungen — und viele Kapitalanleger verschenken Potenzial.
Eigennutzer und die Grunderwerbsteuer
Bei selbstgenutztem Wohneigentum ist die Grunderwerbsteuer nicht absetzbar. Punkt. Auch nicht über die Wohnungsbauprämie oder Riester. Für die Kalkulation der eigenen vier Wände hilft der Eigennutz-Rechner, um die echte Belastung realistisch abzuschätzen.
Kapitalanleger und die Grunderwerbsteuer
Bei vermieteten Objekten gehört die Grunderwerbsteuer zu den Anschaffungsnebenkosten. Sie wird also nicht direkt als Werbungskosten abgezogen, sondern fließt anteilig in d

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