blank

Wohnungsbauprämie (Wiki, Definition): Staatliche Förderung des Bausparens

„`html

Die Wohnungsbauprämie ist nach der Reform deutlich lukrativer geworden — und gleichzeitig deutlich strikter. 10 Prozent staatlicher Zuschuss auf bis zu 700 EUR Spareinlage pro Jahr (1.400 EUR bei Verheirateten), aber nur, wenn das zu versteuernde Einkommen 35.000 EUR (bzw. 70.000 EUR bei Zusammenveranlagung) nicht überschreitet. Wer das Geld später nicht wohnwirtschaftlich verwendet, verliert die komplette Förderung — auch rückwirkend. Dieser Beitrag zeigt, für wen sich der Bausparvertrag mit Prämie wirklich rechnet, welche Fallstricke die Reform mitgebracht hat und wie Sie die maximale staatliche Förderung herausholen.

Wohnungsbauprämie auf einen Blick: Höhe, Anspruch, Auszahlung

Die Wohnungsbauprämie ist ein Zuschuss vom Staat zum Bausparen, geregelt im Wohnungsbau-Prämiengesetz (WoPG). Sie soll Bürger mit kleinem bis mittlerem Einkommen beim Vermögensaufbau für die eigenen vier Wände unterstützen — nicht beim allgemeinen Sparen. Rechtsgrundlage sind insbesondere § 2 WoPG (förderfähige Aufwendungen), § 2a WoPG (wohnungswirtschaftliche Verwendung) sowie § 3 WoPG (Einkommensgrenze).

Wer Anspruch auf die Wohnungsbauprämie hat

Berechtigt sind unbeschränkt steuerpflichtige Personen ab 16 Jahren, die einen Bausparvertrag bei einer in Deutschland zugelassenen Bausparkasse besparen. Drei Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein:

  • Mindestalter 16 Jahre bei Vertragsabschluss
  • Einkommensgrenze nicht überschritten
  • Wohnwirtschaftliche Verwendung der Bausparsumme
  • Mindestsparleistung von 50 EUR im Kalenderjahr
  • Wohnsitz oder gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland

Wohnungsbauprämie in Zahlen: 10 Prozent auf bis zu 700 EUR

Die Eckdaten sind seit der Reform stabil und zeitlich nicht befristet. Wer maximal einzahlt, holt sich jedes Jahr 70 EUR (Single) bzw. 140 EUR (Ehepaar) vom Staat — steuerfrei nach § 6 WoPG.

Parameter Single Ehepaar / Lebenspartner
Prämiensatz 10 % 10 %
Maximal förderfähige Einzahlung 700 EUR/Jahr 1.400 EUR/Jahr
Maximale Prämie pro Jahr 70 EUR 140 EUR
Einkommensgrenze (zvE) 35.000 EUR 70.000 EUR
Mindestsparleistung 50 EUR/Jahr 50 EUR/Jahr
Mindestbindung Neuverträge 7 Jahre 7 Jahre
Mindestalter 16 Jahre 16 Jahre
Steuerpflicht der Prämie steuerfrei steuerfrei

Achtung: Die 700 EUR sind die förderfähige Sparleistung — Sie können in einen Bausparvertrag deutlich mehr einzahlen, prämienberechtigt bleiben aber nur die ersten 700 EUR pro Person und Jahr.

Einkommensgrenzen für die Wohnungsbauprämie verstehen

Hier scheitern in der Praxis die meisten Anträge. Maßstab ist nicht das Brutto- oder Nettoeinkommen, sondern das zu versteuernde Einkommen (zvE) laut Steuerbescheid. Das ist deutlich niedriger als das Brutto.

zvE als Maßstab für die Wohnungsbauprämie

Vom Bruttoeinkommen werden Werbungskosten (mind. 1.230 EUR Pauschbetrag), Sonderausgaben (z.B. Altersvorsorge, Kirchensteuer), außergewöhnliche Belastungen sowie Freibeträge abgezogen. Erst das Ergebnis nach § 2 Abs. 5 EStG zählt für die Prämie.

Bruttojahreslohn (Single) Geschätztes zvE Prämienanspruch?
30.000 EUR ~ 21.000 EUR Ja
40.000 EUR ~ 28.000 EUR Ja
50.000 EUR ~ 35.500 EUR Knapp — Einzelfallprüfung
55.000 EUR ~ 39.000 EUR Nein
70.000 EUR (Ehepaar) ~ 52.000 EUR Ja
85.000 EUR (Ehepaar) ~ 64.000 EUR Ja
95.000 EUR (Ehepaar) ~ 71.500 EUR Knapp — Einzelfallprüfung
110.000 EUR (Ehepaar) ~ 83.000 EUR Nein

zvE gezielt unter die Grenze drücken

Wer mit seinem zvE knapp über der Grenze liegt, hat legale Hebel: Erhöhung der Sonderausgaben durch Riester- oder Rürup-Beiträge, Anhebung der Werbungskosten durch dokumentiertes Homeoffice, Kinderbetreuungskosten oder haushaltsnahe Dienstleistungen. Ein Ehepaar kann bei Zusammenveranlagung deutlich besser fahren als bei Einzelveranlagung — letztere lohnt sich für die Prämie nur, wenn ein Partner deutlich unter, der andere weit über der Grenze liegt.

Praxis-Tipp: Den Steuerbescheid des Vorvorjahres bereithalten. Die Bausparkasse fragt das zvE für das Sparjahr ab — und das Finanzamt liefert die Bestätigung in der Regel automatisiert über das CISTA-Verfahren. Stimmt die Selbstauskunft nicht mit dem Bescheid überein, droht Rückforderung plus Zinsen nach § 233a AO.

Typische Fehler bei der Wohnungsbauprämie-Beantragung

Aus 20 Jahren Beratungspraxis: Diese Stolperfallen kosten Sparer am häufigsten die Prämie.

  • Brutto mit zvE verwechselt — falsche Einschätzung
  • Antrag zu spät bei der Bausparkasse gestellt
  • Sparleistung unter 50 EUR im Jahr
  • Vorzeitige Auszahlung ohne wohnwirtschaftlichen Zweck
  • Kombination mit Arbeitnehmer-Sparzulage falsch berechnet
  • Bonuszahlungen am Jahresende kippen das zvE
  • Nicht-Selbstständigen-Einkünfte vergessen anzugeben
[crp limit="2"]

Zweckbindung der Wohnungsbauprämie nach der Reform

Der härteste Schnitt der Reform: Die Prämie ist strikt zweckgebunden. Wer sich Bausparguthaben einfach auszahlen lässt, um Auto, Urlaub oder Aktien zu kaufen, verliert die Prämie komplett — auch rückwirkend für alle Beitragsjahre. Maßgeblich ist § 2 Abs. 1 WoPG in Verbindung mit § 2a WoPG.

Wohnwirtschaftliche Verwendung der Wohnungsbauprämie

Erlaubt sind ausschließlich Verwendungen, die direkt mit selbstgenutztem oder vermietetem Wohnraum zusammenhängen. Dazu gehören:

  • Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses
  • Bau eines Eigenheims oder Mehrfamilienhauses
  • Modernisierung, Sanierung, energetische Maßnahmen
  • Tilgung eines Immobilienkredits
  • Erwerb von Bauland für Wohnzwecke
  • Ablösung einer Anschlussfinanzierung
  • Erbbaurechte für Wohnzwecke
  • Genossenschaftsanteile mit Wohnberechtigung

Wer eine Immobilie kauft, sollte vorher die Kaufnebenkosten kalkulieren und auch Notarkosten sowie die Grunderwerbsteuer bedenken — diese Posten sind nicht aus dem Bausparvertrag prämienunschädlich finanzierbar, weil sie nicht zur eigentlichen Wohnraumbeschaffung im Sinne des Gesetzes zählen. Ausnahme: Sie sind Teil der Gesamtfinanzierung des Objekts. Welcher Anteil regional anfällt, zeigt der Kaufnebenkosten-Vergleich nach Bundesland.

Bundesland-Unterschiede bei wohnwirtschaftlicher Verwendung

Das WoPG ist Bundesrecht, die Zweckbindung also bundeseinheitlich. Praktische Unterschiede ergeben sich aber durch die regional stark abweichende Grunderwerbsteuer — und damit durch die Frage, wie viel Bausparguthaben in einer Region tatsächlich für reine Bau- bzw. Kaufkosten übrig bleibt.

Bundesland Grunderwerbsteuer Notar/Grundbuch Gesamt-Nebenkosten
Bayern 3,5 % ~ 1,5 % ~ 5 %
Sachsen 3,5 % ~ 1,5 % ~ 5 %
Hamburg 5,5 % ~ 1,5 % ~ 7 %
Berlin 6,0 % ~ 1,5 % ~ 7,5 %
NRW 6,5 % ~ 1,5 % ~ 8 %
Brandenburg 6,5 % ~ 1,5 % ~ 8 %
Schleswig-Holstein 6,5 % ~ 1,5 % ~ 8 %

Wann die Wohnungsbauprämie zurückgezahlt werden muss

Bei zweckwidriger Verwendung wird die gesamte ausgezahlte Prämie zurückgefordert. Eine Ausnahme gilt für Verträge, die bei Auszahlung mindestens 7 Jahre bestanden haben und vor dem Abschlussstichtag ohne Prämienanspruch besteuert wurden — diese Konstellation ist seit der Reform für Neuverträge nicht mehr möglich. Sonderfälle ohne Rückforderung: Tod des Sparers, vollständige Erwerbsminderung, Arbeitslosigkeit länger als ein Jahr nach Vertragsabschluss.

Praxis-Realität: Wer mit dem Bausparen nur Zinsen sammeln will und keine Immobilienpläne hat, sollte die Wohnungsbauprämie nicht beantragen. Die Rückforderung kommt sicher — und sie ist teurer als der entgangene Zins auf einem Tagesgeldkonto.

Wohnungsbauprämie vs. Arbeitnehmer-Sparzulage und Riester

Drei staatliche Förderungen rund um Bausparen und Wohneigentum existieren parallel — und können oft kombiniert werden. Wer das geschickt nutzt, verdoppelt die staatliche Förderung pro Jahr.

Förderung Höhe Einkommensgrenze (Single) Sparform
Wohnungsbauprämie 10 % auf max. 700 EUR 35.000 EUR zvE Bausparvertrag, Eigenleistung
Arbeitnehmer-Sparzulage 9 % auf max. 470 EUR 17.900 EUR zvE VL-Bausparvertrag
Wohn-Riester 175 EUR Grundzulage + Kinderzulage keine zertifizierter Riester-Bausparvertrag
KfW-Wohneigentum bis 100.000 EUR Kredit 90.000 EUR zvE KfW-Programm 124
Baukindergeld-Nachfolger (regional) variabel je Bundesland variabel Landesförderung

Wohnungsbauprämie kombinieren mit anderen Förderungen

Ein Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen kann gleichzeitig Wohnungsbauprämie auf seine Eigenleistung und Arbeitnehmer-Sparzulage auf die vermögenswirksamen Leistungen vom Arbeitgeber kassieren. Wer zusätzlich einen Riester-Bausparvertrag besitzt, hat drei Töpfe parallel laufen. Mit dem späteren Bauspardarlehen und der KfW-Förderung lässt sich die Eigenkapitalbasis weiter aufstocken — entscheidend ist dann die Eigenkapitalrendite der Gesamtfinanzierung.

Wohnungsbauprämie als Kapitalanleger nutzen

Auch Vermieter dürfen die Prämie kassieren, sofern das zvE unter der Grenze bleibt — etwa Berufsanfänger oder Selbstständige mit niedrigem Gewinn. Das Bausparguthaben fließt dann in eine vermietete Immobilie. Vorab lohnt eine Renditerechnung über Mietrendite, Cashflow und DSCR-Check. Wer eine sanierungsbedürftige Bestandsimmobilie ins Auge fasst, prüft zusätzlich den Renovierungs-ROI und die Denkmal-AfA als steuerlichen Hebel.

Rechenbeispiel: Was bringt die Wohnungsbauprämie konkret?

Theorie ist gut, Zahlen sind besser. So sieht die Förderung über die Mindestlaufzeit von 7 Jahren bei einem ledigen Sparer aus.

Wohnungsbauprämie über 7 Jahre durchgerechnet

Jahr Eigene Einzahlung Wohnungsbauprämie 10 % Kumuliert
1 700 EUR 70 EUR 770 EUR
2 700 EUR 70 EUR 1.540 EUR
3 700 EUR 70 EUR 2.310 EUR
4 700 EUR 70 EUR 3.080 EUR
5 700 EUR 70 EUR 3.850 EUR
6 700 EUR 70 EUR 4.620 EUR
7 700 EUR 70 EUR 5.390 EUR
Summe 4.900 EUR 490 EUR 5.390 EUR

Hinzu kommen die Bausparzinsen (typischerweise 0,1 bis 1 % auf das Guthaben) sowie das Recht auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen. Bei einem Ehepaar verdoppelt sich der Prämienbetrag auf 980 EUR über 7 Jahre. Das klingt wenig — aber gemessen am eingesetzten Kapital ist die Rendite allein durch die Prämie 10 % p.a. — eine Größenordnung, die sonst nur über das Cashflow-Investment in Immobilien oder eine kalkulierte Eigenkapitalrendite erreichbar ist.

Zweites Rechenbeispiel: Junges Ehepaar mit zwei Verträgen

Verheiratetes Paar, beide 28 Jahre, zvE zusammen 58.000 EUR, Ziel: Eigenheim in 10 Jahren. Beide besparen je einen Bausparvertrag mit 700 EUR jährlich.

Position Wert über 10 Jahre
Eigenleistung gesamt (2 × 700 × 10) 14.000 EUR
Wohnungsbauprämie (2 × 70 × 10) 1.400 EUR
Bausparzins (Annahme 0,5 %) ~ 380 EUR
Arbeitnehmer-Sparzulage VL bei niedrigem zvE 0 EUR (Grenze überschritten)
Bausparguthaben gesamt ~ 15.780 EUR
Zusätzliches Bauspardarlehen (Anspruch) ~ 30.000–40.000 EUR
Eigenkapital-Baustein für Immobilienkauf ~ 45.000–55.000 EUR

Bei einem Kaufpreis von 400.000 EUR deckt diese Konstruktion einen relevanten Teil der Eigenkapitalanforderung ab. Den passenden Kaufpreisfaktor findet man durch vorherige Kapitalanlage Kalkulation.

„`

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar