Aktienrente oder Immobilie? Rendite-Vergleich mit echten Zahlen
Am 27. März 2026 hat der Bundestag das Gesetz zum neuen „Aktienrente“ bzw. dem Altersvorsorgedepot verabschiedet. Ab dem 1. Januar 2027 können Anleger erstmals ein staatlich gefördertes, steuerfreies Wertpapierdepot für die Altersvorsorge nutzen. Für Immobilien-Investoren stellt sich damit eine entscheidende Frage: Lohnt sich das neue Depot mehr als eine Kapitalanlage-Immobilie? Oder ergänzen sich beide Strategien?
Das Altersvorsorgedepot im Überblick: Förderung, Garantie, Steuer
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Heute vergleichen wir beide Anlageformen mit konkreten Zahlen, realen Szenarien und einer ehrlichen Kosten-Rendite-Analyse. Wer aktuell über seine Altersvorsorge nachdenkt, sollte beide Optionen kennen, bevor er eine Entscheidung trifft.
Das neue Altersvorsorgedepot ersetzt die gescheiterte Riester-Rente und bringt drei wesentliche Neuerungen:
Staatliche Förderung
- Grundzulage: Bis zu 540 Euro pro Jahr (bei Mindesteinzahlung von 4 % des Bruttoeinkommens)
- Kinderzulage: 300 Euro pro Kind und Jahr
- Steuerfreiheit: Erträge während der Ansparphase sind vollständig steuerfrei (keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale)
- Sonderausgabenabzug: Bis zu 3.600 Euro jährlich absetzbar (ab 2030: stufenweise Erhöhung)
Drei Garantie-Varianten
- 100 % Beitragsgarantie: Klassisch, wie bisher bei Riester. Anbieter garantiert alle eingezahlten Beiträge plus Zulagen.
- 80 % Beitragsgarantie: Höhere Aktienquote möglich, nur 80 % der Einzahlungen sind garantiert.
- Ohne Garantie (reines Depot): Volle Anlagefreiheit in ETFs, Fonds, Aktien. Keine Garantie, dafür höchstes Renditepotenzial.
Für renditeorientierte Anleger ist besonders Variante 3 interessant, da sie erstmals ein rein aktienbasiertes Altersvorsorgeprodukt mit staatlicher Förderung ermöglicht.
Immobilie als Kapitalanlage: Stärken und Schwächen im Detail
Immobilien gelten seit Jahrzehnten als solide Altersvorsorge. Doch die Realität ist differenzierter, als viele Ratgeber vermitteln. Einen umfassenden Blick auf die Risiken bietet unser Beitrag zur Risikoanalyse beim Kauf von Anlageimmobilien.
Vorteile der Immobilie
- Hebeleffekt: Mit 20-30 % Eigenkapital kontrolliert man 100 % des Objektwerts
- Steuerliche Abschreibung: 2-3 % AfA auf Gebäudeanteil, Schuldzinsen absetzbar
- Inflationsschutz: Mieteinnahmen steigen in der Regel mit der Inflation
- Wertsteigerung: In guten Lagen historisch 2-4 % p.a.
- Steuerfreier Verkauf: Nach 10 Jahren Haltefrist keine Spekulationssteuer
Nachteile und Risiken
- Klumpenrisiko: Oft 100.000-300.000 Euro in einem einzigen Objekt gebunden
- Illiquidität: Verkauf dauert Monate, Notarkosten, Maklerprovision
- Nebenkosten beim Kauf: 10-15 % des Kaufpreises (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) — Geld, das sofort weg ist. Mehr dazu in unserem Nebenkostenrechner für den Immobilienkauf.
- Verwaltungsaufwand: Mietersuche, Instandhaltung, Hausverwaltung
- Zinsrisiko: Bei Anschlussfinanzierung können Raten massiv steigen
- Leerstandsrisiko: Kein Mieter = kein Cashflow, Kredit läuft trotzdem
Rechenbeispiel: 150 Euro monatlich — Depot vs. Sondertilgung
Stellen wir zwei Szenarien gegenüber. Eine Familie (2 Kinder, Bruttoeinkommen 55.000 Euro) hat monatlich 150 Euro frei. Option A: Altersvorsorgedepot. Option B: Sondertilgung auf eine bestehende Immobilienfinanzierung.
Szenario A: Altersvorsorgedepot (ohne Garantie, ETF-basiert)
| Position | Betrag / Jahr |
|---|---|
| Eigene Einzahlung | 1.800 EUR |
| Grundzulage | 540 EUR |
| Kinderzulage (2 Kinder) | 600 EUR |
| Gesamteinzahlung p.a. | 2.940 EUR |
| Angenommene Rendite (ETF, breit gestreut) | 6,5 % p.a. |
| Steuern während Ansparphase | 0 EUR |
| Depotwert nach 25 Jahren | ca. 193.000 EUR |
| Davon eigene Einzahlungen | 45.000 EUR |
| Davon Zulagen | 28.500 EUR |
| Davon steuerfreie Erträge | ca. 119.500 EUR |
Wer die genauen Zahlen für seine persönliche Situation berechnen möchte, findet auf aktienrenterechner.de einen kostenlosen Rechner, der alle drei Garantie-Varianten, Zulagen und Steuereffekte berücksichtigt.
Szenario B: Sondertilgung auf Immobilienkredit
| Position | Betrag / Wert |
|---|---|
| Monatliche Sondertilgung | 150 EUR |
| Zinssatz Immobilienkredit | 3,8 % p.a. |
| Gesparte Zinsen über 25 Jahre | ca. 32.000 EUR |
| Eingezahlte Sondertilgung gesamt | 45.000 EUR |
| Staatliche Förderung | 0 EUR |
| Steuerliche Vorteile (Ansparphase) | 0 EUR |
| Effektiver Gesamtvorteil | ca. 77.000 EUR |
Direkter Vergleich
| Kriterium | Altersvorsorgedepot | Sondertilgung Immobilie |
|---|---|---|
| Eigener Einsatz (25 J.) | 45.000 EUR | 45.000 EUR |
| Staatliche Förderung | 28.500 EUR | 0 EUR |
| Steuerfreie Erträge | ca. 119.500 EUR | 0 EUR |
| Gesparte Zinsen | 0 EUR | ca. 32.000 EUR |
| Gesamtwert / -vorteil | ca. 193.000 EUR | ca. 77.000 EUR |
| Diversifikation | Hoch (weltweit) | Gering (1 Objekt) |
| Liquidität | Eingeschränkt (Zweckbindung) | Gebunden im Objekt |
| Verwaltungsaufwand | Minimal | Hoch |
| Risikoprofil | Marktrisiko (breit gestreut) | Klumpen-, Zins-, Leerstandsrisiko |
Steuerliche Unterschiede: Depot vs. Immobilie
Die steuerliche Behandlung ist ein zentraler Faktor in der Entscheidung:
Altersvorsorgedepot
- Ansparphase: Vollständig steuerfrei (keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale)
- Auszahlungsphase: Besteuerung mit persönlichem Einkommensteuersatz (im Alter oft niedriger)
- Sonderausgabenabzug: Bis zu 3.600 EUR p.a. mindern das zu versteuernde Einkommen
Kapitalanlage-Immobilie
- Kaufphase: Grunderwerbsteuer (3,5-6,5 % je Bundesland), nicht absetzbar
- Haltephase: AfA (2-3 %), Schuldzinsen, Werbungskosten absetzbar — aber nur gegen Mieteinnahmen
- Verkauf: Nach 10 Jahren steuerfrei; vorher: voller Einkommensteuersatz auf Gewinn
Wichtig: Wer typische Fehler beim Immobilienkauf vermeidet und die Steuervorteile konsequent nutzt, kann mit Immobilien durchaus attraktive Nachsteuer-Renditen erzielen. Allerdings erfordert das erheblich mehr Wissen und aktives Management als ein ETF-basiertes Depot.
Wann die Immobilie trotzdem die bessere Wahl ist
Das Altersvorsorgedepot ist nicht für jeden die optimale Lösung. In bestimmten Konstellationen bleibt die Immobilie überlegen:
- Hohe Eigenkapitalquote: Wer 40-50 % Eigenkapital mitbringt, reduziert das Zinsrisiko drastisch
- Lokale Marktkenntnis: Investoren mit tiefer Kenntnis ihres Mikro-Marktes erzielen überdurchschnittliche Renditen
- Selbstnutzung im Alter: Die eigene Immobilie spart Miete — ein Depot nicht
- Gewerbliche Nutzung: Höhere Renditen bei Gewerbeimmobilien (7-10 % Bruttomietrendite)
- Hebeleffekt: Bei niedrigem Zinsniveau kann Fremdkapital die Eigenkapitalrendite auf 15-20 % hebeln
Die optimale Strategie: Immobilie plus Depot
Die kluge Antwort lautet in den meisten Fällen nicht Entweder-Oder, sondern Sowohl-Als-Auch. Eine robuste Altersvorsorge kombiniert beide Bausteine:
Säule 1 — Immobilie als Basis: Eine solide Kapitalanlage-Immobilie (oder Eigenheim) liefert planbaren Cashflow, steuerliche Vorteile und Inflationsschutz. Sie bildet das Fundament.
Säule 2 — Altersvorsorgedepot als Ergänzung: Das geförderte Depot bringt Diversifikation, Liquidität und staatliche Zulagen. Es gleicht das Klumpenrisiko der Immobilie aus und profitiert vom Zinseszinseffekt auf steuerfreie Erträge.
Beispiel-Kombination für eine Familie (2 Kinder, 55.000 EUR brutto)
| Baustein | Monatlich | Wert nach 25 J. |
|---|---|---|
| Immobilie (Kreditrate + Sondertilgung) | 850 EUR | ca. 280.000 EUR (Objektwert abzgl. Restschuld) |
| Altersvorsorgedepot (ETF, ohne Garantie) | 150 EUR | ca. 193.000 EUR |
| Gesamt | 1.000 EUR | ca. 473.000 EUR |
Mit dieser Kombination entsteht ein Portfolio, das weder von einem einzelnen Mieter noch von einem einzelnen Markt abhängt. Das Depot läuft vollautomatisch, während die Immobilie aktives Management erfordert. Beide zusammen bieten eine deutlich bessere Risikostreuung als jede Strategie allein.
Fazit: Das Altersvorsorgedepot verändert die Spielregeln
Das neue Altersvorsorgedepot ist die größte Reform der privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente 2002. Erstmals erhalten Anleger die Möglichkeit, mit voller Anlagefreiheit und staatlicher Förderung ein Vermögen aufzubauen, das während der Ansparphase vollständig steuerfrei wächst.
Für Immobilien-Investoren bedeutet das nicht, dass Betongold überflüssig wird. Aber es bedeutet, dass die alleinige Fokussierung auf Immobilien als Altersvorsorge nicht mehr zeitgemäß ist. Wer 150 Euro im Monat frei hat, erzielt im geförderten Depot bei gleicher Laufzeit rechnerisch mehr als das Doppelte im Vergleich zur Sondertilgung.
Die individuelle Berechnung hängt von Einkommen, Kinderzahl, Steuersatz und Risikobereitschaft ab. Wer seine persönlichen Zahlen ermitteln möchte, kann den Altersvorsorgedepot-Rechner auf aktienrenterechner.de nutzen — kostenlos und ohne Registrierung.

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