Grundsteuer B (Wiki, Definition): Grundsteuer berechnen für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke
Die Grundsteuer B trifft jeden Eigentümer eines bebauten oder bebaubaren Grundstücks in Deutschland — und seit der Grundsteuerreform zahlen viele plötzlich das Doppelte oder Dreifache. Wer ein Mehrfamilienhaus in München, eine Eigentumswohnung in Leipzig oder ein Reihenhaus in Köln besitzt, landet hier — nicht bei der Grundsteuer A. Die entscheidende Frage ist nicht „Was ist Grundsteuer B?“, sondern: Welche Hebesätze gelten aktuell, wie rechne ich konkret, und wo lauert die Falle bei land- und forstwirtschaftlichen Flächen, die plötzlich als Bauland gelten?
Grundsteuer B: Abgrenzung zur Grundsteuer A
Die Grundsteuer B (§ 2 Nr. 2 GrStG) erfasst alle Grundstücke des Grundvermögens — also bebaute und unbebaute Grundstücke, die nicht der Land- und Forstwirtschaft dienen. Das umfasst Ein- und Zweifamilienhäuser, Mietwohngrundstücke, Geschäftsgrundstücke, gemischt genutzte Bauten, Teileigentum und Wohnungseigentum. Die Grundsteuer A betrifft dagegen ausschließlich Betriebe der Land- und Forstwirtschaft (§ 2 Nr. 1 GrStG).
Welche Objekte fallen unter Grundsteuer B?
- Einfamilien- und Zweifamilienhäuser
- Eigentumswohnungen und Mietshäuser
- Gewerbeimmobilien und Bürogebäude
- Unbebaute Bauplätze im Innenbereich
- Gemischt genutzte Grundstücke
- Wochenendhäuser und Garagengrundstücke
- Erbbaurechte und Wohnungserbbaurechte
Grenzfall Grundsteuer B bei landwirtschaftlichen Flächen
Spannend wird es, wenn eine Fläche im Flächennutzungsplan als Bauerwartungsland ausgewiesen ist. Sobald die Bebauung absehbar ist, springt das Finanzamt von der Grundsteuer A auf Grundsteuer B um — mit erheblicher Steuerwirkung. Auch der Hofraum eines Bauernhofs mit Wohnhaus wird seit der Reform anteilig als Wohngrundstück (Grundsteuer B) bewertet, der Stall- und Ackerteil bleibt bei Grundsteuer A. Wer eine Hofstelle erwirbt, sollte vor Notartermin die Aufteilung im Einheitswertbescheid (alt) bzw. Grundsteuerwertbescheid (neu) prüfen.
| Merkmal | Grundsteuer A | Grundsteuer B |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 2 Nr. 1 GrStG | § 2 Nr. 2 GrStG |
| Objekte | Land-/Forstwirtschaft | Bebaute & unbebaute Grundstücke |
| Hebesatz Schnitt | ca. 350 % | ca. 470 % |
| Steuermesszahl Bundesmodell | 0,55 ‰ | 0,31 ‰ Wohnen / 0,34 ‰ Nichtwohnen |
| Aufkommen pro Jahr | ca. 0,4 Mrd. € | ca. 14,9 Mrd. € |
| Umlage auf Mieter | nicht relevant | § 2 Nr. 1 BetrKV — voll umlegbar |
| Hauptfeststellung | alle 7 Jahre | alle 7 Jahre |
Grundsteuer B berechnen: Die Drei-Stufen-Formel
Die Berechnung folgt seit der Reform der neuen Systematik nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2018. Statt der alten Einheitswerte gelten nun Grundsteuerwerte, die regelmäßig alle sieben Jahre neu festgestellt werden. Die Formel bleibt dreistufig — aber jede Stufe hat sich geändert.
Stufe 1 der Grundsteuer B: Grundsteuerwert
Der Grundsteuerwert ersetzt den Einheitswert. Im Bundesmodell (gilt in 11 Bundesländern) zählen Bodenrichtwert, Grundstücksfläche, Gebäudeart, Wohnfläche, Baujahr und statistische Nettokaltmiete. Fünf Länder kochen ihr eigenes Süppchen: Bayern (reines Flächenmodell), Baden-Württemberg (modifiziertes Bodenwertmodell), Hamburg (Wohnlagenmodell), Hessen und Niedersachsen (Flächen-Faktor-Modell).
Stufe 2 der Grundsteuer B: Steuermesszahl
Auf den Grundsteuerwert wird die Steuermesszahl angewendet. Im Bundesmodell sinkt sie drastisch von 3,5 ‰ (alt) auf 0,31 ‰ für Wohngrundstücke und 0,34 ‰ für Nichtwohngrundstücke — als Ausgleich für die deutlich höheren Grundsteuerwerte. Für sozialen Wohnungsbau, Denkmäler und Genossenschaftswohnungen gelten Abschläge von 25 % bis 35 % nach § 15 Abs. 2–5 GrStG.
Stufe 3 der Grundsteuer B: Hebesatz der Gemeinde
Der Hebesatz wird von jeder Kommune individuell festgelegt (§ 25 GrStG) und liegt zwischen 80 % (Eschborn) und 1.050 % (einzelne hessische Gemeinden). Viele Städte haben den Hebesatz reformbedingt angepasst — teils nach unten, teils massiv nach oben. Die Aufkommensneutralität war politisches Versprechen, nicht juristische Pflicht.
| Stufe | Größe | Beispielwert EFH Bundesmodell |
|---|---|---|
| 1 | Grundsteuerwert | 320.000 € |
| 2 | × Steuermesszahl 0,31 ‰ | = 99,20 € Messbetrag |
| 3 | × Hebesatz 470 % | = 466,24 € Jahressteuer |
Praxis-Tipp: Wer den Grundsteuerwert exakt nachvollziehen will, fordert beim Finanzamt eine Berechnungserläuterung an. Tippfehler bei Wohnfläche oder Baujahr kosten schnell 100 € Jahressteuer — ein Punkt, der in jede Kapitalanlage-Kalkulation gehört.
Konkretes Rechenbeispiel zur Grundsteuer B
Ein Vermieter besitzt ein Mehrfamilienhaus in einer westdeutschen Mittelstadt. Drei Wohneinheiten, 240 m² Wohnfläche, Baujahr 1985, Grundstück 600 m², Bodenrichtwert 280 €/m². Die Berechnung im Bundesmodell sieht so aus:
Beispielrechnung Grundsteuer B Mehrfamilienhaus
| Position | Berechnung | Wert |
|---|---|---|
| Bodenwert | 600 m² × 280 € | 168.000 € |
| Gebäudereinertrag (kapitalisiert) | statistische Miete × Vervielfältiger | 372.000 € |
| Grundsteuerwert (gerundet) | Summe | 540.000 € |
| Steuermesszahl Wohnen | 0,31 ‰ | 167,40 € Messbetrag |
| Hebesatz Gemeinde | 520 % | — |
| Jahresgrundsteuer B | 167,40 € × 5,20 | 870,48 € |
Diese 870 € sind als Betriebskosten nach § 2 Nr. 1 BetrKV vollständig auf die Mieter umlegbar. Wer die Grundsteuer in seine Kapitalanlage-Kalkulation einbezieht, sollte den umgelegten Anteil sauber von der Eigenbelastung trennen — bei Leerstand bleibt sie nämlich beim Eigentümer hängen.
Zweites Rechenbeispiel: Eigentumswohnung in Bayern (Flächenmodell)
Eine 78 m² ETW in Nürnberg, Grundstücksanteil 90 m², Baujahr 2008. Bayern verzichtet komplett auf Bodenrichtwerte und rechnet rein nach Fläche mit Äquivalenzzahlen: 0,04 €/m² Boden und 0,50 €/m² Wohnfläche.
| Position | Berechnung | Wert |
|---|---|---|
| Äquivalenzbetrag Boden | 90 m² × 0,04 € | 3,60 € |
| Äquivalenzbetrag Wohnen | 78 m² × 0,50 € | 39,00 € |
| Messzahl Boden | 100 % | 3,60 € |
| Messzahl Wohnen | 70 % Abschlag | 27,30 € |
| Messbetrag gesamt | Summe | 30,90 € |
| Hebesatz Nürnberg | 555 % | — |
| Jahresgrundsteuer B | 30,90 € × 5,55 | 171,50 € |
Auffällig: Im Flächenmodell schlägt Lage nicht durch — eine ETW in München-Schwabing zahlt rechnerisch dasselbe wie eine baugleiche in einem Vorort. Genau das ist politisch gewollt, juristisch aber umstritten.
Hebesätze Grundsteuer B im Städtevergleich
Die Hebesätze haben sich durch die Reform stark verschoben. Witzenhausen führt mit 1.050 %, während Steueroasen wie Eschborn weiter unter 200 % bleiben. Wer kauft, sollte den Hebesatz vor Notartermin prüfen — er beeinflusst die laufende Belastung über Jahrzehnte und damit den Kaufpreisfaktor indirekt.
Hebesätze Grundsteuer B in Großstädten
| Stadt | Hebesatz B aktuell | Grundsteuer B EFH-Beispiel |
|---|---|---|
| Berlin | 470 % | ca. 460 € |
| München | 824 % | ca. 810 € |
| Hamburg | 540 % | ca. 530 € |
| Köln | 475 % | ca. 470 € |
| Frankfurt | 880 % (differenziert) | ca. 870 € |
| Leipzig | 650 % | ca. 640 € |
| Stuttgart | 360 % | ca. 350 € |
| Düsseldorf | 440 % | ca. 430 € |
| Dresden | 635 % | ca. 620 € |
| Bremen | 755 % | ca. 740 € |
Bundesland-Übersicht: Wer welches Modell anwendet
| Bundesland | Modell | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bayern | Flächenmodell | Lage irrelevant, reine Fläche |
| Baden-Württemberg | Bodenwertmodell | nur Bodenrichtwert × Fläche |
| Hamburg | Wohnlagenmodell | Flächen + Lagefaktor |
| Hessen | Flächen-Faktor | Bundesmodell + Lagezuschlag |
| Niedersachsen | Flächen-Lage-Modell | ähnlich Hessen |
| Übrige 11 Länder | Bundesmodell | Ertragswert mit Bodenrichtwert |
Achtung: Frankfurt und einige hessische Kommunen haben einen differenzierten Hebesatz für unbebaute Grundstücke (Grundsteuer C) eingeführt — bis 1.050 %. Wer Bauland hortet, zahlt dort heftig drauf.
Grundsteuer B bei land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken
Klingt paradox, ist aber Praxisalltag: Sobald ein landwirtschaftliches Grundstück baurechtlich erschlossen oder als Bauerwartungsland qualifiziert wird, wechselt es in die Grundsteuer B. Das Finanzamt orientiert sich am tatsächlichen und absehbaren Nutzungszweck — nicht am aktuellen Bewuchs.
Wann landwirtschaftliche Flächen unter Grundsteuer B fallen
- Aufnahme in Bebauungsplan als Wohnbauland
- Erschließung mit Straße, Wasser, Strom
- Bauerwartungsland nach § 196 BauGB
- Hofstelle mit Wohnhaus (anteilig)
- Stillgelegte Flächen mit Baurecht
- Reitanlagen mit überwiegender Freizeitnutzung
- Photovoltaik-Freiflächenanlagen ohne Agri-PV-Status
Folgen der Umqualifizierung in Grundsteuer B
Der Sprung kostet richtig Geld. Ein Hektar Ackerland zahlt unter Grundsteuer A vielleicht 30 € jährlich. Sobald er als Bauerwartungsland gilt, schießt der Grundsteuerwert auf 200.000 € oder mehr — und mit Hebesatz 400 % landet die Belastung schnell bei 250 € pro Jahr und mehr. Bei Verkauf greift parallel die Spekulationssteuer, wenn die Zehnjahresfrist nicht abgelaufen ist.
| Nutzung | Steuerart | Messzahl | Typische Belastung 1 ha |
|---|---|---|---|
| Aktiver Acker | Grundsteuer A | 0,55 ‰ | 20–50 € |
| Forst | Grundsteuer A | 0,55 ‰ | 15–40 € |
| Grünland Pacht | Grundsteuer A | 0,55 ‰ | 10–30 € |
| Bauerwartungsland | Grundsteuer B | 0,31 ‰ | 200–800 € |
| Bauland erschlossen | Grundsteuer B (oft C) | 0,31–0,34 ‰ | 500–3.000 € |
| Reitanlage Freizeit | Grundsteuer B | 0,34 ‰ | 400–1.500 € |
Praxis-Tipp: Wer eine Hofstelle mit gemischter Nutzung erbt oder kauft, sollte beim Finanzamt einen Aufteilungsbescheid beantragen. Sauber getrennte A- und B-Anteile sparen über 30 Jahre vierstellige Beträge — und vermeiden den Streitfall bei späterer Teilveräußerung. Relevant auch für die Eigenkapitalrendite-Kalkulation gemischter Objekte.
Grundsteuer B als Kostenfaktor beim Immobilienkauf
Beim Kauf wird die Grundsteuer oft unterschätzt. Sie ist keine einmalige Größe wie die Grunderwerbsteuer oder Notarkosten, sondern eine Dauerbelastung über Jahrzehnte. Bei einer Haltedauer von 30 Jahren summieren sich 800 € Jahressteuer auf 24.000 € — ohne Inflation und ohne Hebesatzerhöhungen. In der Übersicht der Kaufnebenkosten taucht sie nicht auf, in der laufenden Kalkulation muss sie aber Pflichtposition sein.
Grundsteuer B in der Cashflow-Rechnung
Bei vermieteten Objekten ist die Grundsteuer auf Mieter umlegbar — sie verschlechtert den Cashflow nicht. Bei Eigennutzung dagegen voll. Wer eine Mietrendite kalkuliert, sollte die Grundsteuer nur dann als Kostenposition ansetzen, wenn Leerstandsrisiko realistisch ist. Für die monatliche Belastung bei Selbstnutzung gehört sie immer dazu. Auch im DSCR-Check mindert sie den ausschüttungsfähigen Überschuss bei Leerstand.
Hebesatz-Check vor dem Notartermin Grundsteuer B
Zwei identische Häuser, 5 km Luftlinie auseinander, können sich bei der Grundsteuer um Faktor 3 unterscheiden — abhängig von der Gemeindegrenze. Ein Blick in die Hebesatzliste der Landesfinanzverwaltung kostet zehn Minuten und kann fünfstellige Summen über die Haltedauer sparen. Genauso wichtig wie der Vergleich der Kaufnebenkosten nach Bundesland oder der Maklerkosten.
Grundsteuer B beim Fix-and-Flip
Beim Fix-and-Flip wirkt die Grundsteuer nur wenige Monate — trotzdem nicht zu vernachlässigen. Bei Sanierungsobjekten mit Leerstand zahlt der Eigentümer voll. Wer die Steuer nach § 33 GrStG mindern will, muss den Ertragsausfall bi

Neue Tipps und Tricks? Jetzt kostenlos eintragen:


Dein Kommentar
An Diskussion beteiligen?Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar!