Doppelverglasung (Wiki, Definition): Zwei Glasscheiben mit Hohlraum
Zwei Glasscheiben, dazwischen ein hermetisch abgedichteter Hohlraum mit Edelgas — das ist die Doppelverglasung in ihrer modernen Form. Wer noch alte Doppelverglasung aus den 80er- oder frühen 90er-Jahren im Bestand hat, verschenkt jährlich oft 600 bis 1.200 Euro Heizkosten pro Wohnung. Eine moderne Wärmeschutz-Doppelverglasung erreicht heute Ug-Werte um 1,1 W/(m²·K), eine Dreifachverglasung 0,5 bis 0,7 — der Unterschied entscheidet über GEG-Konformität, Sanierungspflicht und den Verkehrswert der Immobilie.
Doppelverglasung: Aufbau, Funktion und U-Wert im Detail
Eine Doppelverglasung besteht aus zwei Floatglasscheiben, die durch einen Randverbund (Abstandhalter aus Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff — sogenannter „Warme Kante“) auf Abstand gehalten und gasdicht versiegelt werden. Der Scheibenzwischenraum (SZR) ist heute fast ausnahmslos mit Argon, seltener mit Krypton oder Xenon gefüllt. Luft als Füllung findet sich nur noch in Altbeständen.
Wie die Doppelverglasung dämmt
Der Wärmeverlust durch ein Fenster läuft über drei Mechanismen: Wärmeleitung, Konvektion und Strahlung. Die Doppelverglasung minimiert alle drei.
- Edelgasfüllung reduziert die Wärmeleitung im SZR
- Low-E-Beschichtung reflektiert Wärmestrahlung zurück
- Optimaler Scheibenabstand: 14 bis 16 mm
- Warme Kante senkt Schimmelrisiko am Glasrand
U-Werte der Doppelverglasung im Vergleich
Der Ug-Wert bezeichnet den Wärmedurchgangskoeffizienten der Verglasung allein, der Uw-Wert den des gesamten Fensters inklusive Rahmen. Für die Bewertung im Sanierungsfall ist immer der Uw-Wert maßgeblich.
| Verglasungstyp | Ug-Wert W/(m²·K) | Aufbau | Stand |
|---|---|---|---|
| Einfachverglasung | 5,0 – 5,8 | 1 Scheibe | Vor 1980 |
| Doppelverglasung Luft | 2,8 – 3,0 | 2 Scheiben, Luft | 1980–1995 |
| Doppelverglasung früh-Argon | 1,6 – 1,9 | 2 Scheiben, ohne Low-E | 1995–2002 |
| Doppel-Wärmeschutz Argon | 1,1 – 1,3 | 2 Scheiben, Low-E, Argon | Aktueller Standard |
| Doppel-Wärmeschutz Krypton | 0,9 – 1,0 | 2 Scheiben, Low-E, Krypton | Schmaler SZR |
| Dreifachverglasung | 0,5 – 0,7 | 3 Scheiben, 2× Low-E, Argon/Krypton | KfW-Effizienzhaus |
| Vakuumverglasung | 0,4 – 0,5 | 2 Scheiben, Vakuum-SZR | Denkmal, Premium |
g-Wert und solare Gewinne nicht vergessen
Neben dem Ug bestimmt der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) die Energiebilanz. Eine Wärmeschutz-Doppelverglasung erreicht typisch g = 0,60 bis 0,65, eine Dreifachverglasung nur 0,48 bis 0,55. Auf Süd- und Westseiten kann eine Doppelverglasung über die solaren Gewinne in der Heizperiode bilanziell besser abschneiden als eine Dreifachverglasung — besonders bei großen Fensterflächen mit niedriger Verschattung.
Doppelverglasung und das GEG: Wann muss saniert werden?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt für Bestandsgebäude beim Fenstertausch maximale Uw-Werte vor. Eine alte Doppelverglasung mit Ug = 2,9 reicht bei Neueinbau nicht mehr — egal ob Eigentümer oder Vermieter.
Pflichten beim Tausch der Doppelverglasung
Wer Fenster ersetzt, muss laut § 48 GEG einen Uw-Wert von höchstens 1,3 W/(m²·K) einhalten. Bei Dachflächenfenstern liegt die Schwelle bei 1,4. Wer nur die Verglasung in einen alten Holzrahmen einsetzt, fällt nicht unter die Pflicht — ist aber wirtschaftlich meist Unsinn.
§ 48 GEG: Beim Austausch von Fenstern in Außenwänden darf der U-Wert des neuen Bauteils 1,3 W/(m²·K) nicht überschreiten. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten mit Bußgeldern bis 50.000 Euro.
Doppelverglasung bei Eigentümerwechsel
§ 47 GEG verpflichtet Käufer eines Ein- oder Zweifamilienhauses unter Umständen zur Nachrüstung innerhalb von zwei Jahren — betrifft aber primär oberste Geschossdecke und Heizung. Fenster sind erst beim aktiven Tausch fällig. Wer Bestand kauft, sollte die Sanierungskosten in seine Kapitalanlage-Kalkulation einplanen und über den Renovierungs-ROI bewerten.
Ausnahmen: Denkmalschutz, Bagatellgrenze, Eigenleistung
§ 105 GEG erlaubt Abweichungen bei Baudenkmälern und besonders erhaltenswerter Bausubstanz, wenn die Anforderungen die Substanz beeinträchtigen würden. Die Bagatellgrenze nach § 48 Satz 2 GEG greift, wenn weniger als 10 % der jeweiligen Bauteilfläche getauscht werden — typisch beim Ersatz eines einzelnen Fensters nach Bruchschaden. Eigenleistung ist GEG-rechtlich erlaubt, eine Unternehmererklärung nach § 92 GEG entfällt dann allerdings nicht: Der Eigentümer haftet selbst für die Einhaltung.
Kosten der Doppelverglasung: Was zahlt der Eigentümer?
Die Preisspanne ist groß und hängt von Rahmenmaterial, Größe, Beschlägen und Einbausituation ab. Ein realistischer Ansatz für die Budgetplanung umfasst Material, Einbau und Nebenarbeiten — wer nur das Fenster selbst kalkuliert, unterschätzt die Gesamtkosten regelmäßig um 30 bis 50 Prozent.
| Position | Kosten pro Fenster (1,30 × 1,30 m) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kunststofffenster, 2-fach | 450 – 700 € | Standard Mietwohnung |
| Kunststofffenster, 3-fach | 550 – 850 € | KfW-fähig |
| Holzfenster, 2-fach | 800 – 1.300 € | Altbau, Denkmal |
| Holz-Alu, 3-fach | 1.200 – 1.800 € | Premium-Segment |
| Aluminium-Fenster, 3-fach | 1.000 – 1.600 € | Bürogebäude, Loft |
| Sprossenfenster Denkmal | 1.500 – 2.800 € | Glasleisten-Sprossen |
| Einbau & Demontage | 150 – 350 € | Pro Fenster |
| Laibung verputzen, Fensterbank | 100 – 250 € | Pro Fenster |
| Gerüst (über 1. OG) | 8 – 14 € pro m² | Standzeit 2–3 Wochen |
| RC2-Beschlag-Aufpreis | 80 – 150 € | Pflicht im EG empfehlenswert |
Rechenbeispiel 1: Doppelverglasung in einer 90 m² Mietwohnung
Angenommen 8 Fenster werden getauscht. Kunststoff, 3-fach, mittleres Segment:
- 8 × 700 € Material = 5.600 €
- 8 × 250 € Einbau = 2.000 €
- 8 × 180 € Nebenarbeiten = 1.440 €
- Entsorgung Altfenster pauschal = 300 €
- Summe brutto: rund 9.340 €
Bei einer Heizkostenersparnis von ca. 350 Euro im Jahr (ohne weitere Modernisierung) ergibt sich eine statische Amortisation von etwa 27 Jahren — die Werterhöhung der Immobilie ist dabei noch nicht eingerechnet. Spannend wird es als Modernisierungsumlage: 8 % der 9.340 € = 747 € jährliche Mieterhöhung möglich (§ 559 BGB).
Rechenbeispiel 2: Einfamilienhaus aus den 1980er-Jahren, Selbstnutzer
14 Fenster, Holz-Alu 3-fach, Uw = 0,85, mit BAFA-Förderung:
- 14 × 1.500 € Fenster = 21.000 €
- 14 × 320 € Einbau = 4.480 €
- 14 × 220 € Laibung & Bank = 3.080 €
- Gerüst 90 m² × 11 € = 990 €
- Energieberater iSFP = 1.300 €
- Brutto vor Förderung: rund 30.850 €
- BAFA 20 % (15 % + 5 % iSFP-Bonus): −6.170 €
- Netto-Eigenanteil: rund 24.680 €
Heizkostenersparnis bei vorher 28 m² Fensterfläche und altem Glas (Ug 2,8): rund 850 € jährlich. Statische Amortisation gegenüber Eigenanteil: 29 Jahre. Mit Verkehrswertsteigerung von 4 % auf einen Marktwert von 480.000 € (also rund 19.000 €) sinkt sie effektiv auf etwa 7 Jahre — ein Effekt, den die meisten Eigentümer in der Eigennutzer-Kalkulation übersehen.
Doppelverglasung als Vermieter: Modernisierung und Mieterhöhung
Der Fenstertausch ist eine energetische Modernisierung im Sinne von § 555b BGB und berechtigt zur Mieterhöhung nach § 559 BGB — aber nur, wenn formal sauber abgewickelt. Hier liegen die häufigsten Fehler in der Praxis.
Modernisierungsumlage bei Doppelverglasung richtig berechnen
Acht Prozent der umlagefähigen Kosten dürfen jährlich auf die Miete umgelegt werden. Wichtig: Erhaltungsanteil abziehen. Wer ein 40 Jahre altes Fenster ersetzt, muss schätzen, welcher Anteil ohnehin als Reparatur fällig gewesen wäre — typischerweise 20 bis 40 %.
- Modernisierungsankündigung: drei Monate vorher schriftlich
- Detaillierte Kostenaufstellung pro Wohnung erforderlich
- Härtefallklausel des Mieters prüfen (§ 559 Abs. 4 BGB)
- Kappungsgrenze 3 €/m² in 6 Jahren beachten
- Bei Miete unter 7 €/m²: Kappung sogar bei 2 €/m²
Steuerliche Behandlung beim Vermieter
Der Fenstertausch im Bestand ist regelmäßig sofort abziehbarer Erhaltungsaufwand nach § 21 EStG, auch wenn er energetisch verbessert. Erst wenn er zu einer Standarderhöhung in mindestens drei der vier zentralen Bereiche (Heizung, Sanitär, Elektro, Fenster) führt, kann das Finanzamt anteilsmäßig Herstellungskosten unterstellen — dann wäre die AfA mit 2 oder 2,5 % zu strecken. Größere Aufwendungen können nach § 82b EStDV freiwillig auf zwei bis fünf Jahre verteilt werden, was die Steuerprogression dämpft.
Praxis-Tipp: Wer im selben Jahr Fenster, Heizung und Bad saniert, riskiert eine Umqualifikation zu „anschaffungsnahem Herstellungsaufwand“ nach § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG, sobald 15 % der Anschaffungskosten in den ersten 3 Jahren überschritten werden. Folge: keine Sofortabschreibung, nur AfA über 33 oder 50 Jahre.
Doppelverglasung im Cashflow der Kapitalanlage
Wer eine vermietete Wohnung saniert, sollte den Effekt nicht nur auf die Heizkosten betrachten, sondern in den Cashflow und die Eigenkapitalrendite einrechnen. Der Fenstertausch verbessert auch die Mietrendite über die zulässige Mieterhöhung und stützt den Kaufpreisfaktor beim späteren Verkauf. Für gewerbliche Investoren mit Bankfinanzierung ändert sich auch der DSCR, weil die Nettokaltmiete steigt.
Faustregel aus der Praxis: Eine vollumfängliche Fenstersanierung im Mehrfamilienhaus rechnet sich für den Vermieter über die Modernisierungsumlage in 12 bis 14 Jahren — schneller als für den Selbstnutzer.
Doppel- oder Dreifachverglasung? Die ehrliche Entscheidung
Die Pauschal-Empfehlung „immer dreifach“ ist falsch. Die richtige Wahl hängt von Heizungsart, Gebäudehülle und Geldbeutel ab.
Wann Doppelverglasung ausreicht
- Altbau mit ungedämmten Wänden (sonst Schimmelgefahr)
- Denkmalgeschützte Fassaden mit Sprossenfenstern
- Knappes Sanierungsbudget bei Bestandsmietern
- Süd- und Westfenster mit hohem solaren Gewinn
Wann Dreifachverglasung Pflicht ist
- KfW-Effizienzhaus-Standard (KfW 40, 55)
- Neubau nach GEG mit Wärmepumpe
- Norden/Norddostorientierung mit hohen Verlusten
- Gebäude mit gedämmter Außenwand (U < 0,28)
Ein häufiger Fehler: Dreifachverglasung in einen unsanierten Altbau einzubauen. Die Fensterscheiben sind dann die wärmsten Punkte der Außenhülle — Tauwasser kondensiert an den kalten Wandflächen, Schimmel entsteht. Wer so saniert, sollte die Anschlussfinanzierung direkt für eine Komplettsanierung kalkulieren statt Stückwerk zu betreiben.
Schallschutz: Was die Doppelverglasung leistet
Die DIN 4109 definiert sechs Schallschutzklassen. Eine Standard-Doppelverglasung (4/16/4) erreicht etwa 32 dB, asymmetrische Aufbauten (6/16/4 oder 8/12/4) bringen 38 bis 42 dB. Verbundsicherheitsglas (VSG) mit akustischer Folie schafft 45 bis 50 dB — relevant ab Hauptverkehrsstraßen, Bahntrassen und Flugschneisen. Faustregel: Pro 10 dB Reduktion halbiert sich die wahrgenommene Lautstärke.
| Schallschutzklasse | Schalldämm-Maß Rw | Typische Lage | Mehrkosten |
|---|---|---|---|
| Klasse 1 | 25 – 29 dB | Wohngebiet ruhig | 0 € |
| Klasse 2 | 30 – 34 dB | Erschließungsstraße | 30 – 60 € |
| Klasse 3 | 35 – 39 dB | Hauptstraße < 50 km/h | 80 – 140 € |
| Klasse 4 | 40 – 44 dB | Bundesstraße, Bahn | 180 – 280 € |
| Klasse 5 | 45 – 49 dB | Flughafen, Autobahn | 320 – 480 € |
Förderung und Steuerabzug für die Doppelverglasung
Zwei Wege parallel nutzbar — aber nicht für dieselbe Maßnahme: BAFA-Zuschuss bzw. KfW-Kredit oder steuerlicher Abzug nach § 35c EStG.
| Förderweg | Höhe | Voraussetzung |
|---|---|---|
| BAFA-Einzelmaßnahme (BEG EM) | 15 % + 5 % iSFP-Bonus | Uw ≤ 0,95, Energieberater |
| KfW-Kredit 261 (Vollsanierung) | bis 150.000 € + Tilgungszuschuss | Effizienzhaus-Stufe |
| § 35c EStG (Selbstnutzer) | 20 % auf 200.000 € über 3 Jahre | Eigennutzung, Haus > 10 Jahre alt |
| Modernisierungs-AfA Vermieter | Sofortabzug oder Verteilung 2–5 J. | § 7 EStG, § 82b EStDV |
| Länderprogramme (NRW, BY, BW) | 5 – 15 % zusätzlich | Kombinierbar mit BEG |
Für Selbstnutzer eines älteren Eigenheims ist § 35c EStG oft attraktiv, weil er sich mit anderen Förderungen nicht ausschließt und über drei Jahre verteilt wird. Unumstößlich: Vor Auftragsvergabe beraten lassen. Die Nebenkostenabrechnung prüfen ist später optional — die Förderung zu verpassen, nicht.

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