Bausparguthaben (Wiki, Definition): Summe der Einzahlungen, Zinsen und Förderungen
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Das Bausparguthaben ist der Hebel, mit dem Sie Zuteilungsreife erreichen – und damit Zugang zum zinsgünstigen Bauspardarlehen bekommen. Wer hier nur die Einzahlungen sieht, übersieht zwei Drittel des Spiels: Guthabenzinsen und staatliche Förderungen können bei kluger Tarifwahl mehrere tausend Euro über die Vertragslaufzeit ausmachen. Gleichzeitig fressen Abschlussgebühren in den ersten Jahren oft die kompletten Zinsen auf – ein Detail, das viele Bausparer erst beim Kontoauszug bemerken. Dieser Beitrag zeigt, wie sich das Guthaben rechnerisch zusammensetzt, welche Fallen lauern und wie Sie 70 EUR Wohnungsbauprämie plus 43 EUR Arbeitnehmer-Sparzulage pro Jahr sicher mitnehmen.
Was zählt rechnerisch zum Bausparguthaben?
Das Bausparguthaben ist die Summe aus drei Komponenten, die getrennt verbucht, aber gemeinsam bewertet werden. Erst wenn diese drei Bausteine zusammen 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme erreichen – je nach Tarif – wird der Vertrag zuteilungsreif. Ohne Zuteilungsreife kein Anspruch auf das Bauspardarlehen, das ist die zentrale Spielregel nach § 1 Bausparkassengesetz (BausparkG).
Die drei Bausteine des Bausparguthabens
In jedem Bausparkontoauszug finden Sie diese drei Posten getrennt ausgewiesen. Die Reihenfolge ihrer Bedeutung hängt vom Tarif und Ihrer Sparrate ab.
- Eigene Einzahlungen (Regelsparbeitrag plus Sonderzahlungen)
- Guthabenzinsen der Bausparkasse (0,01 bis 1,0 Prozent p.a.)
- Wohnungsbauprämie (max. 70 EUR / 140 EUR pro Jahr)
- Arbeitnehmer-Sparzulage auf vermögenswirksame Leistungen
- Abzüglich: Abschlussgebühr (typisch 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme)
Bausparguthaben versus Bausparsumme – der häufigste Irrtum
Die Bausparsumme ist die Zielgröße: Einzahlungen plus späteres Darlehen. Das Bausparguthaben ist nur der Sparanteil. Bei einer Bausparsumme von 100.000 EUR und 50 Prozent Mindestguthaben müssen Sie 50.000 EUR ansparen – die Bausparkasse stellt dann weitere 50.000 EUR als Darlehen.
Faustregel: Bausparsumme = Eigenes Bausparguthaben + späteres Bauspardarlehen. Wer die Größenordnung des Eigenkapitals kennen will, findet im Kapitalanlage-Rechner eine schnelle Einordnung.
Regelsparbeitrag, Mindestsparbeitrag und Sonderzahlung
Der Regelsparbeitrag liegt typisch bei 3 bis 5 Promille der Bausparsumme pro Monat – bei 100.000 EUR also 300 bis 500 EUR. Wer dauerhaft unter den Mindestsparbeitrag fällt, riskiert die Vertragskündigung durch die Bausparkasse nach § 5 ABB. Sonderzahlungen sind in den meisten Tarifen bis 50 Prozent der Bausparsumme möglich – ein wichtiger Hebel für die Eigenkapitalrendite beim späteren Immobilienkauf.
Guthabenzinsen: Warum 0,1 Prozent oft realistischer sind als 1,0 Prozent
Die Guthabenverzinsung im Bausparvertrag ist tariflich fest – sie ändert sich über die gesamte Sparphase nicht. Genau hier trennen sich seriöse Tarife von Lockangeboten: Hohe Guthabenzinsen werden meist mit hohen Darlehenszinsen erkauft, niedrige Guthabenzinsen mit niedrigen Darlehenszinsen. Die Bausparkasse rechnet immer ein Nullsummenspiel.
Guthabenzinsen im typischen Tarifvergleich
Welcher Zinssatz in Ihrem Vertrag steht, hängt vom Tarif (Standard, Renditetarif, Klassiktarif) und vom Zeitpunkt des Abschlusses ab.
| Tariftyp | Guthabenzins p.a. | Darlehenszins p.a. | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Renditetarif | 0,5 – 1,0 % | 3,0 – 4,5 % | Reine Sparer ohne Darlehensabsicht |
| Standardtarif | 0,1 – 0,3 % | 2,0 – 2,75 % | Mischnutzer Sparen + Darlehen |
| Niedrigzins-/Klassiktarif | 0,01 – 0,1 % | 1,0 – 2,0 % | Sicherung Darlehenszinsen |
| Wohnriester-Tarif | 0,1 – 0,5 % | 2,25 – 3,5 % | Selbstnutzer mit Riester-Förderung |
| Junge-Leute-Tarif | 0,25 – 0,5 % | 1,75 – 2,5 % | Bausparer unter 25 Jahre |
Bonuszins als Verzicht-Belohnung
Viele Tarife versprechen einen Bonuszins von 0,5 bis 2,0 Prozent zusätzlich – allerdings nur, wenn Sie nach Zuteilung auf das Bauspardarlehen verzichten und das gesamte Guthaben auszahlen lassen. Wer ohnehin bauen oder modernisieren will, geht leer aus. Wer den Vertrag als reines Sparvehikel nutzt, profitiert. Diese Entscheidung sollte parallel zur Anschlussfinanzierungs-Strategie getroffen werden.
Effektivzins versus Nominalzins beim Guthaben
Der ausgewiesene Nominalzins täuscht: Durch die Abschlussgebühr in den ersten Sparjahren liegt die effektive Rendite auf eingezahltes Kapital regelmäßig bei minus 0,5 bis plus 0,3 Prozent – ohne staatliche Förderung. Erst die Wohnungsbauprämie hebt die Effektivverzinsung über das Niveau eines simplen Tagesgeldkontos. Wer Vermögen aufbauen will, ohne ein Darlehen zu planen, sollte den Investmentvolumen-Rechner als Vergleich heranziehen.
Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage – bis zu 700 EUR pro Jahr
Staatliche Förderungen sind der Renditeturbo des Bausparens. Sie werden direkt aufs Bausparguthaben gebucht, sobald die Voraussetzungen erfüllt und der Antrag gestellt ist. Die zwei wichtigsten Säulen sind die Wohnungsbauprämie nach § 2 WoPG und die Arbeitnehmer-Sparzulage nach § 13 5. VermBG.
Wohnungsbauprämie nach Wohnungsbau-Prämiengesetz
Begünstigt sind Einzahlungen bis 700 EUR pro Jahr (Ledige) bzw. 1.400 EUR (Verheiratete). Die Prämie beträgt 10 Prozent – also maximal 70 EUR bzw. 140 EUR pro Jahr. Voraussetzung: Einkommen unter 35.000 EUR (Ledige) bzw. 70.000 EUR (Verheiratete) zu versteuerndes Einkommen.
| Förderart | Max. begünstigte Einzahlung | Förderquote | Max. Förderung p.a. | Einkommensgrenze (zvE) |
|---|---|---|---|---|
| Wohnungsbauprämie (Ledige) | 700 EUR | 10 % | 70 EUR | 35.000 EUR |
| Wohnungsbauprämie (Verh.) | 1.400 EUR | 10 % | 140 EUR | 70.000 EUR |
| Arbeitnehmer-Sparzulage (Ledige) | 470 EUR (VL) | 9 % | 43 EUR | 17.900 EUR |
| Arbeitnehmer-Sparzulage (Verh.) | 940 EUR (VL) | 9 % | 86 EUR | 35.800 EUR |
| Wohn-Riester Grundzulage | 2.100 EUR (4 % zvE) | variabel | 175 EUR | keine |
| Wohn-Riester Kinderzulage | – (pro Kind) | variabel | 300 EUR / 185 EUR | keine |
Arbeitnehmer-Sparzulage auf VL
Wenn Ihr Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen zahlt (typisch 6,65 bis 40 EUR pro Monat), können Sie diese in einen Bausparvertrag fließen lassen. Auf maximal 470 EUR pro Jahr gibt es 9 Prozent Sparzulage – das sind 43 EUR jährlich obendrauf. Die Einkommensgrenze ist deutlich strenger: 17.900 EUR zu versteuerndes Einkommen für Ledige.
Maximal-Kombination für ein Ehepaar mit niedrigem Einkommen: 140 EUR Wohnungsbauprämie + 86 EUR Arbeitnehmer-Sparzulage = 226 EUR pro Jahr Förderung. Über 7 Jahre Sparphase summiert sich das auf 1.582 EUR – ohne Eigenleistung jenseits der Einzahlung.
Wohnriester – die dritte Förderebene
Wer den Bausparvertrag als Wohn-Riester abschließt, bekommt zusätzlich 175 EUR Grundzulage plus 300 EUR Kinderzulage pro Kind (185 EUR bei vor 2008 geborenen Kindern). Voraussetzung ist die Selbstnutzung der späteren Immobilie nach § 92a EStG. Achtung: In der Auszahlungsphase greift die nachgelagerte Besteuerung über das Wohnförderkonto mit 2 Prozent fiktiver Verzinsung pro Jahr.
Junge-Leute-Bonus und 200-EUR-Bonus
Bausparer unter 25 Jahren erhalten in vielen Tarifen einen einmaligen Junge-Leute-Bonus von 100 bis 200 EUR auf das erste angesparte Tausendstel. Hinzu kommt bei Erstabschluss häufig ein Wechselbonus von Bausparkasse zu Bausparkasse von 50 bis 150 EUR. Diese Boni werden dem Guthaben direkt gutgeschrieben und zählen für die Bewertungszahl mit – sie beschleunigen die Zuteilung messbar.
Abschlussgebühr – warum die ersten Zinsen oft verpuffen
Die Abschlussgebühr beträgt typischerweise 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme und wird in voller Höhe mit den ersten Einzahlungen verrechnet. Bei 100.000 EUR Bausparsumme sind das 1.000 bis 1.600 EUR, die zunächst gar nicht aufs Guthaben fließen. Der BGH hat die Zulässigkeit der Abschlussgebühr in mehreren Urteilen bestätigt (u.a. XI ZR 3/10), eine Rückforderung scheidet damit aus.
Rechenbeispiel 1: Bausparguthaben über 7 Jahre, Standardtarif
Eine konkrete Modellrechnung zeigt die Mechanik. Annahme: Bausparsumme 100.000 EUR, Regelsparbeitrag 300 EUR/Monat, Guthabenzins 0,1 Prozent, Abschlussgebühr 1,2 Prozent, Wohnungsbauprämie wird genutzt.
| Jahr | Einzahlung kumuliert | Guthabenzins kumuliert | Wohnungsbauprämie | Abzgl. Abschlussgeb. | Bausparguthaben |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 3.600 EUR | 2 EUR | 70 EUR | -1.200 EUR | 2.472 EUR |
| 3 | 10.800 EUR | 22 EUR | 210 EUR | -1.200 EUR | 9.832 EUR |
| 5 | 18.000 EUR | 62 EUR | 350 EUR | -1.200 EUR | 17.212 EUR |
| 7 | 25.200 EUR | 122 EUR | 490 EUR | -1.200 EUR | 24.612 EUR |
Nach 7 Jahren liegt das Guthaben bei 24.612 EUR – knapp ein Viertel der Bausparsumme. Für Zuteilungsreife (50 Prozent) wären weitere 7 Jahre oder Sonderzahlungen nötig. Wer das Tempo erhöhen will, sollte parallel die monatliche Belastung einer alternativen Direktfinanzierung gegenrechnen.
Rechenbeispiel 2: Familie mit VL und Sonderzahlungen
Annahme: Ehepaar, Bausparsumme 80.000 EUR, beide nutzen 40 EUR VL/Monat, gemeinsamer Regelsparbeitrag 250 EUR/Monat, Sonderzahlung 5.000 EUR im 3. Jahr, Standardtarif mit 0,25 Prozent Guthabenzins, zvE unter 35.800 EUR.
| Position | Betrag über 7 Jahre | Anteil am Guthaben |
|---|---|---|
| Regelsparbeitrag (250 × 84) | 21.000 EUR | 50,1 % |
| VL-Einzahlungen (80 × 84) | 6.720 EUR | 16,0 % |
| Sonderzahlung Jahr 3 | 5.000 EUR | 11,9 % |
| Wohnungsbauprämie (140 × 7) | 980 EUR | 2,3 % |
| Arbeitnehmer-Sparzulage (86 × 7) | 602 EUR | 1,4 % |
| Guthabenzinsen kumuliert | 305 EUR | 0,7 % |
| Abzgl. Abschlussgebühr (1,2 %) | -960 EUR | -2,3 % |
| Bausparguthaben Jahr 7 | 33.647 EUR | 42,1 % |
Das Ehepaar erreicht nach 7 Jahren bereits 42 Prozent der Bausparsumme – Zuteilungsreife greifbar nahe. Entscheidend: Die Sonderzahlung im 3. Jahr beschleunigt die Bewertungszahl deutlich stärker als eine im 6. Jahr.
Zuteilungsreife: Wann Sie ans Darlehen kommen
Die Zuteilung ist der vertragliche Moment, ab dem die Bausparkasse Ihnen das Bauspardarlehen auszahlt. Drei Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein – fehlt eine, verschiebt sich die Zuteilung.
Voraussetzungen der Zuteilungsreife im Bausparguthaben
- Mindestguthaben erreicht (40–50 Prozent der Bausparsumme)
- Mindestsparzeit erfüllt (typisch 18–84 Monate)
- Bewertungszahl über tariflichem Schwellenwert
- Vertrag nicht ruhend gestellt
- Aktuelle Zuteilungsmittel der Bausparkasse vorhanden
Bewertungszahl als unsichtbarer Faktor
Die Bewertungszahl bildet ab, wie lange und wie viel Sie eingezahlt haben. Wer früh Sonderzahlungen leistet, sammelt überproportional viele Bewertungspunkte – und kommt schneller zur Zuteilung. Bei knapper Liquidität und Kaufabsicht lohnt der Blick auf den Eigenkapitalrendite-Rechner: Manchmal ist die Direktfinanzierung mit weniger Eigenkapital wirtschaftlicher als das Warten auf Zuteilung.
Zwischenfinanzierung und Vorausdarlehen
Wer früher kaufen will als die Zuteilung kommt, kann ein Vorausdarlehen oder eine Zwischenfinanzierung nutzen. Das Vorausdarlehen wird zu marktüblichen Konditionen ausgezahlt und bei Zuteilung durch das Bauspardarlehen abgelöst. Achtung: Die Zinslast liegt oft 1,0 bis 2,0 Prozent über klassischen Annuitätendarlehen. Vor Abschluss empfiehlt sich der Vergleich mit dem DSCR-Check und dem Cashflow-Rechner bei Kapitalanlagen.
Steuerliche Behandlung des Bausparguthabens
Die Guthabenzinsen sind Kapitalerträge nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Wer einen Freistellungsauftrag bei der Bausparkasse einreicht, nutzt den Sparerpauschbetrag von 1.000 EUR (Ledige) bzw. 2.000 EUR (Verheiratete).
Verwendungsbindung bei staatlicher Förderung
Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage sind an wohnwirtschaftliche Verwendung gebunden. Wer das Geld zweckfremd nutzt (Auto, Urlaub), muss die Förderung zurückzahlen. Ausnahmen gelten bei Verträgen, die vor dem 1. Januar 2009 abgeschlossen wurden – hier ist die freie Verwendung nach 7 Jahren möglich.
Wohnwirtschaftliche Verwendung umfasst: Kauf, Bau, Modernisierung, Entschuldung selbstgenutzter Immobilien. Auch Maklerkosten und Notarkosten zählen dazu – siehe Notarkosten-Übersicht.
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