Konstruktions-Grundfläche (KGF) (Wiki, Definition)

Die Konstruktions-Grundfläche (KGF) ist die Quadratmeterzahl, die Außenwände, Innenwände, Stützen, Pfeiler und Schornsteine im Grundriss belegen — also alles, was Sie als Käufer oder Mieter zwar bezahlen, aber nicht betreten können. Nach DIN 277 ergibt sie sich aus der Differenz Brutto-Grundfläche (BGF) minus Netto-Raumfläche (NRF). Wer beim Wohnungskauf nicht aufpasst, kauft bei einem MFH-Neubau schnell 18–25 % „Wandfläche“ mit. In Bestandsbauten mit dicken Mauern liegt der KGF-Anteil teilweise bei 30 % — und entscheidet damit, wie wirtschaftlich die Investition wirklich ist.

KGF nach DIN 277: Die exakte Definition für Käufer und Investoren

Die DIN 277 ist die maßgebliche Norm zur Flächenermittlung im Hochbau und unterscheidet klar zwischen Brutto-Grundfläche, Netto-Raumfläche und der Konstruktions-Grundfläche. Diese Trennung ist nicht akademisch, sondern entscheidet bei jeder Kapitalanlage-Kalkulation darüber, wie viel vermietbare Fläche tatsächlich übrig bleibt.

Was die KGF konkret umfasst

Die Konstruktions-Grundfläche erfasst alle Bauteile, die in den horizontalen Grundriss hineinragen — gemessen über alle Geschosse summiert. Dazu zählen sämtliche raumumschließenden und raumtrennenden Konstruktionen.

  • Außenwände inklusive Wärmedämmung
  • Tragende und nichttragende Innenwände
  • Stützen, Pfeiler und Pfosten
  • Schornsteine und Installationsschächte
  • Brüstungen und feste Einbauten
  • Wandnischen unter 0,1 m² Fläche

Die KGF-Formel nach DIN 277

Die Berechnung folgt einer klaren Logik: Brutto-Grundfläche minus Netto-Raumfläche ergibt die KGF. Die BGF wird dabei aus den Außenmaßen ermittelt, die NRF aus den lichten Innenmaßen aller Räume.

KGF = BGF − NRF | Typische Werte: Neubau MFH 15–20 %, Altbau 20–30 %, Passivhaus mit dickem Dämmpaket bis 25 % der BGF.

Bereiche a, b, c nach DIN 277 — der Unterschied bei Loggien und Balkonen

Die aktuelle DIN 277 gliedert Flächen in drei Bereiche: a = überdeckt und allseitig in voller Höhe umschlossen, b = überdeckt, jedoch nicht allseitig umschlossen, c = nicht überdeckt. Eine Loggia gehört zu Bereich b, ein Balkon zu Bereich c. Die KGF wird je Bereich separat ausgewiesen — wichtig, weil bei der Wohnflächenanrechnung Balkone nur zu 25 %, max. 50 % zählen, in der BGF aber zu 100 % erscheinen.

Warum die KGF beim Wohnungskauf 30.000 EUR Unterschied machen kann

Der Kaufpreis pro Quadratmeter wird in Deutschland fast immer auf die Wohnfläche nach WoFlV bezogen — nicht auf die BGF. Doch beim Neubau-Etagenkauf zahlen Sie indirekt für die anteilige KGF mit, weil der Bauträger seine Gesamtkosten auf die verkaufbaren Quadratmeter umlegt.

Rechenbeispiel 1: KGF-Anteil im Neubau-MFH

Ein typisches Stadthaus mit sechs Wohneinheiten zeigt, wie schnell die KGF zum Kostenfaktor wird:

Position Fläche Anteil
Brutto-Grundfläche (BGF) 720 m² 100 %
Netto-Raumfläche (NRF) 576 m² 80 %
Konstruktions-Grundfläche (KGF) 144 m² 20 %
davon tragende Wände 92 m² 12,8 %
davon nichttragend 52 m² 7,2 %

Bei Baukosten von 3.800 EUR/m² BGF kostet die reine Konstruktion bei 144 m² rund 547.200 EUR — das sind über 91.000 EUR pro Wohneinheit, die niemand bewohnt. Wer den Kaufpreisfaktor bewertet, muss diesen Effekt einpreisen, sonst verzerrt sich die Mietrendite nach oben.

Rechenbeispiel 2: Altbau-Sanierung mit dicken Wänden

Eine Gründerzeit-Etage in Berlin mit 30 cm Vollziegel-Außenwand und 24 cm Innen-Brandwänden zeigt das Gegenbild:

Position Fläche Bemerkung
BGF Etagenanteil 148 m² Außenmaße
Wohnfläche WoFlV 112 m² im Mietvertrag
KGF anteilig 36 m² 24,3 %
Kaufpreis 728.000 EUR 6.500 EUR/m² Wfl.
Effektiv pro m² BGF 4.919 EUR realistischer Vergleich

Wer hier den Quadratmeterpreis nur auf Wohnfläche bezieht, übersieht: Die dickeren Wände sind kein „Verlust“, sondern Schallschutz, Speichermasse und Denkmalwert. Bei einer Denkmal-AfA kann genau dieses Massivwerk steuerlich bis zu 9 % p.a. über acht Jahre absetzbar sein — ein Vorteil, den Neubauten mit niedriger KGF-Quote nie erreichen.

Typische Fehler bei der KGF-Bewertung

  • KGF mit Wohnfläche verwechseln
  • Schornsteine und Schächte nicht mitrechnen
  • Außendämmung WDVS in der BGF vergessen
  • Teilungserklärung ohne KGF-Ausweis akzeptieren
  • Altbau-Wandstärken (36–50 cm) unterschätzen
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KGF, BGF und Wohnfläche: Drei Begriffe, drei Welten

Die größte Verwirrung entsteht, weil parallel drei Flächendefinitionen kursieren — DIN 277 für die Bauplanung, die Wohnflächenverordnung (WoFlV) für die Vermietung und die Berechnungsverordnung (II. BV) als alte Größe. Die KGF existiert nur in der DIN 277.

Vergleichstabelle der Flächenarten

Flächenart Norm Zweck Enthält KGF?
BGF DIN 277 Bauplanung, Kostenkalkulation Ja, vollständig
NRF (früher NGF) DIN 277 Nutzungsplanung Nein
KGF DIN 277 Konstruktionsanteil Eigene Größe
Wohnfläche WoFlV Mietvertrag, Kaufvertrag Nein, mit Sondereffekten
Nutzfläche (NUF) DIN 277 Gewerbe, Bewertung Nein
Wohnfläche II. BV § 42–44 alte BV Altverträge vor 2004 Nein
Verkehrsfläche (VF) DIN 277 Flure, Treppen Nein

Wo die KGF die Wohnfläche indirekt beeinflusst

In der Wohnflächenverordnung tauchen Wände und Stützen nicht direkt auf — aber sie bestimmen, was übrig bleibt. Eine Innenwand mit 17,5 cm Stärke „frisst“ auf zehn Metern Länge bereits 1,75 m². Bei einem Mietpreis von 14 EUR/m² sind das 294 EUR Jahresmiete, die zwischen den Wänden verschwinden.

BGH-Linie zur Wohnflächenabweichung: Bei mehr als 10 % Abweichung zwischen vereinbarter und tatsächlicher Wohnfläche liegt ein Mangel vor — Mietminderung und Mieterhöhungs-Sperre möglich (§ 558 BGB-Rechtsprechung, BGH VIII ZR 205/08).

KGF im Sondereigentum nach WEG

Im Wohnungseigentumsgesetz (§ 5 WEG) sind tragende Wände, Geschossdecken und konstruktive Bauteile zwingend Gemeinschaftseigentum — auch wenn sie innerhalb Ihrer Wohnung verlaufen. Das bedeutet: Eine tragende Innenwand zählt zur KGF, aber Sie dürfen sie nicht eigenmächtig durchbrechen. Ein Wanddurchbruch ohne Beschluss der Eigentümerversammlung ist nach § 22 Abs. 1 WEG unzulässig und kann zum Rückbau verpflichten — mit Kosten von 8.000–25.000 EUR.

KGF in der Praxis: Vom Bauantrag bis zur Bewertung

Die Konstruktions-Grundfläche begegnet Ihnen in jeder Phase eines Immobilienprojekts — vom Bauantrag über die Honorarberechnung des Architekten bis zur Verkehrswertermittlung. Wer die Größe ignoriert, kalkuliert systematisch falsch.

KGF im Bauantrag und in der HOAI

Architekten rechnen ihre Honorare nach HOAI-Leistungsphasen auf Basis der anrechenbaren Kosten ab — und die hängen direkt an der BGF, also inklusive KGF. Eine dickere Konstruktion erhöht zwar die Baukosten, aber auch das Honorar. Bei einem 2-Mio.-EUR-Projekt liegt der Honoraranteil bei 8–12 %, also 160.000–240.000 EUR.

KGF in der Verkehrswertermittlung

Sachverständige nutzen das Sachwertverfahren mit Normalherstellungskosten (NHK 2010, fortgeschrieben über Baupreisindex) — diese sind pro m² BGF angegeben, die KGF ist also bereits eingepreist. Beim Vergleichswertverfahren dagegen wird auf Wohnfläche normiert. Das erklärt, warum identische Häuser je nach Verfahren um 8–15 % abweichende Werte erhalten.

  • Sachwertverfahren: BGF-basiert, KGF inklusive
  • Vergleichswertverfahren: Wohnfläche, KGF egal
  • Ertragswertverfahren: Mietfläche entscheidet
  • Beleihungswert nach BelWertV: konservativ, BGF-orientiert

KGF und steuerliche AfA-Bemessung

Für die Gebäude-AfA nach § 7 Abs. 4 EStG (linear 3 % bei Neubau, 2 % bei Bestand vor 1925) zählt der Gebäudeanteil am Kaufpreis — nicht der Bodenwert. Bei einem KGF-lastigen Massivbau ist der Sachwertanteil höher, weshalb Finanzämter bei Aufteilungen oft 75–80 % Gebäudeanteil akzeptieren. Bei Plattenbauten mit niedriger KGF-Quote drücken sie eher auf 65 %. Diese Aufteilung kann über 30 Jahre AfA-Laufzeit fünfstellige Steuervorteile ausmachen — relevant für jede Eigenkapitalrendite und die Anschlussfinanzierung.

KGF-Anteil als Qualitätsindikator: Was sagt die Quote aus?

Der Quotient KGF/BGF ist für Profis ein Schnell-Indikator für Bauqualität, Energiestandard und Wirtschaftlichkeit. Eine niedrige Quote bedeutet meist dünne Wände — also schlechtere Dämmung und Schallschutz. Eine hohe Quote signalisiert Massivbau oder Passivhaus-Standard.

Typische KGF-Quoten nach Bautyp

Gebäudetyp KGF-Anteil Wandstärke außen Schallschutz
Altbau Gründerzeit 22–30 % 38–50 cm sehr gut
Nachkriegsbau 1950er 14–18 % 24 cm mäßig
Plattenbau WBS 70 12–15 % 15–20 cm schwach
Standard-Neubau KfW 55 17–22 % 30–36 cm gut
Passivhaus / KfW 40 20–25 % 40–50 cm sehr gut
Holzrahmenbau 13–17 % 28–34 cm mäßig–gut
Hochhaus Stahlbeton 18–24 % 25–30 cm + Stützen gut
Reihenhaus Massiv 16–20 % 30–36 cm gut

Warum dünne Wände ein Warnsignal sind

Wenn ein Neubau-Anbieter eine KGF-Quote unter 14 % ausweist, sollten Sie nachfragen: Wurde am Schallschutz gespart? Liegt der U-Wert der Außenwand wirklich bei 0,18 W/(m²·K)? Bei Renditeobjekten rächt sich Sparen an der Konstruktion innerhalb von 10–15 Jahren durch höhere Instandhaltung und Mietminderungen wegen Hellhörigkeit.

KGF und GEG-Anforderungen an die Außenhülle

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) fordert maximale U-Werte je Bauteil — für Außenwände 0,28 W/(m²·K) im Neubau, in der Sanierung 0,24 W/(m²·K). Diese Werte sind nur mit Wandaufbauten von mindestens 30–36 cm erreichbar (Stein + WDVS) oder 40+ cm bei monolithischer Bauweise. Wer die KGF-Quote künstlich drückt, riskiert GEG-Verstöße und Fördermittelverlust bei Sanierungsmaßnahmen.

Häufige Fallstricke rund um die KGF

In der Praxis tauchen immer wieder dieselben Probleme auf — meist weil Käufer die DIN 277 nicht kennen und Bauträger die Aufteilung bewusst intransparent halten.

Fallstrick 1: WDVS-Dämmung nachträglich aufgebracht

Wird ein Bestandsbau mit 16 cm WDVS gedämmt, wächst die BGF, aber die Wohnfläche bleibt gleich. Bei Reihenhäusern überschreitet das nicht selten die Baugrenze — Genehmigung erforderlich. Vor der Kalkulation einer Sanierung also Bebauungsplan prüfen.

Fallstrick 2: Falsche Flächenangabe im Exposé

Makler werben gern mit „ca. 120 m²“ — gemeint ist meist Wohnfläche. Bei Fix-and-Flip-Projekten rechnen Käufer dann mit einem zu niedrigen BGF-Wert und unterschätzen die Sanierungskosten um 15–20 %. Verlangen Sie immer eine getrennte Aufstellung.

Fallstrick 3: Schornsteine in Etagenwohnungen

In Altbauten verlaufen oft 2–4 Schornsteinzüge mit je 50×50 cm durch jede Wohnung — das sind pro Etage 1–4 m² KGF, die aus der Wohnfläche fallen. Bei einer Stilllegung darf der Schornsteinschacht in Sondereigentum verbleiben oder zur Wohnfläche umgewidmet werden — nur mit WEG-Beschluss.

Fallstrick 4: Stützen in Wohnräumen

Im Skelettbau (typisch ab 1960er) stehen tragende Stützen im Wohnraum. Sie sind KGF, nicht Wohnfläche — aber praktisch nicht entfernbar. Bewertungsabschlag im Vergleich zu stützenfreien Grundrissen: 5–10 % auf den Quadratmeterpreis.

Checkliste: KGF beim Immobilienkauf richtig prüfen

Bevor Sie einen Kaufvertrag unterschreiben oder die Finanzierung festzurren, sollten Sie die Flächenangaben strukturiert durchgehen. Diese Checkliste zeigt die kritischen Punkte:

  • BGF, NRF und KGF in Teilungserklärung prüfen
  • Bauzeichnung nach DIN 1356 anfordern
  • Außenwandstärke aus Plan messen
  • Innenwand-Anteil pro Wohneinheit berechnen
  • Schornstein und Schächte einzeln ausweisen lassen
  • Wohnfläche-zu-BGF-Verhältnis berechnen
  • Kaufpreis je m² BGF gegenrechnen
  • Vergleich mit lokalen Bodenrichtwerten
  • Sachverständigen-Gutachten bei Abweichung >

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