Maklererlaubnis (Wiki, Definition): Voraussetzung Immobilienvermittlung
Ohne Erlaubnis nach § 34c GewO darf in Deutschland niemand gewerbsmäßig Immobilien vermitteln — wer es trotzdem tut, riskiert Bußgelder bis 50.000 Euro und den Verlust jedes Provisionsanspruchs. Die Maklererlaubnis ist also kein Formalakt, sondern die wirtschaftliche Lebensgrundlage jedes Immobilienmaklers. Wer als Eigentümer, Käufer oder Investor mit einem Makler arbeitet, sollte wissen, was hinter dieser Erlaubnis steckt — und woran man einen unseriösen Vermittler erkennt. Dieser Beitrag zeigt Voraussetzungen, Kosten, Fristen, steuerliche Behandlung und die typischen Fallstricke der Maklererlaubnis im deutschen Markt.
Maklererlaubnis nach § 34c GewO: Rechtsgrundlage und Geltungsbereich
Die Erlaubnispflicht ergibt sich direkt aus § 34c Gewerbeordnung. Erfasst wird jede gewerbsmäßige Vermittlung von Kaufverträgen über Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte, Wohnräume und gewerbliche Räume — auch der Nachweis einer Gelegenheit zum Vertragsabschluss zählt dazu. Ergänzend regelt die Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) die Berufspflichten.
Wann die Maklererlaubnis zwingend erforderlich ist
Sobald die Vermittlung wiederholt, mit Gewinnerzielungsabsicht und auf Dauer angelegt erfolgt, greift § 34c GewO. Eine einmalige Vermittlung der eigenen Immobilie an Bekannte ist nicht erlaubnispflichtig — wer aber regelmäßig Objekte für Dritte anbietet, braucht die Erlaubnis bereits ab dem ersten Mandat.
- Verkauf und Vermietung fremder Immobilien
- Vermittlung von Eigentumswohnungen und Grundstücken
- Vermittlung gewerblicher Mietverträge
- Nachweis von Vertragsgelegenheiten gegen Provision
- Bauträger- und Baubetreuertätigkeit (§ 34c Abs. 1 Nr. 4)
- Vermittlung von Erbbaurechten und Wohnungseigentum
Abgrenzung zur Maklererlaubnis bei Darlehen und Anlagen
Wer zusätzlich Immobiliardarlehen vermittelt, benötigt die separate Erlaubnis nach § 34i GewO. Für Finanzanlagenvermittlung greift § 34f GewO. Diese Erlaubnisse sind nicht in der Immobilienmaklererlaubnis enthalten — ein häufiger Irrtum bei Existenzgründern. Wer Kunden bei der Anschlussfinanzierung berät, ohne § 34i-Erlaubnis, handelt ordnungswidrig.
Sonderfall Wohnungsvermittlung und Wohnungsvermittlungsgesetz
Bei Mietvermittlungen für Wohnraum gilt zusätzlich das Wohnungsvermittlungsgesetz (WoVermittG). Seit Juni 2015 herrscht das Bestellerprinzip: Provision zahlt nur, wer den Makler beauftragt hat — also typischerweise der Vermieter. Provisionsforderungen gegen Mieter ohne expliziten Suchauftrag sind nichtig (§ 2 Abs. 1a WoVermittG). Die Maklererlaubnis schützt nicht vor diesem zivilrechtlichen Verbot.
Voraussetzungen für die Maklererlaubnis im Detail
Drei Säulen müssen erfüllt sein: persönliche Zuverlässigkeit, geordnete Vermögensverhältnisse und der gewerberechtliche Nachweis. Eine Sachkundeprüfung wie bei § 34i GewO ist für reine Immobilienmakler nicht erforderlich — anders als oft behauptet wird.
Persönliche Zuverlässigkeit als Kernvoraussetzung der Maklererlaubnis
Die Behörde verlangt ein Führungszeugnis zur Vorlage bei einer Behörde (Belegart O) sowie einen Auszug aus dem Gewerbezentralregister. Verurteilungen wegen Vermögensdelikten, Untreue, Betrug oder Insolvenzstraftaten innerhalb der letzten fünf Jahre führen praktisch immer zur Ablehnung. Auch laufende Steuerstrafverfahren oder offene Geldstrafen über 90 Tagessätze können die Zuverlässigkeit kippen.
Geordnete Vermögensverhältnisse für die Maklererlaubnis
Hier wird geprüft, ob der Antragsteller in geordneten finanziellen Verhältnissen lebt. Erforderlich sind eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts, eine Auskunft des Insolvenzgerichts und des Vollstreckungsportals. Laufende Insolvenzverfahren oder Eintragungen im Schuldnerverzeichnis sind regelmäßig Ausschlussgründe — auch nach erteilter Restschuldbefreiung kann die Behörde noch eine Wartefrist verlangen.
| Nachweis | Quelle | Kosten (ca.) | Gültigkeit |
|---|---|---|---|
| Führungszeugnis (Belegart O) | Bundesamt für Justiz | 13 EUR | 3 Monate |
| Gewerbezentralregisterauszug | Bundesamt für Justiz | 13 EUR | 3 Monate |
| Unbedenklichkeitsbescheinigung | Finanzamt | 0–20 EUR | 3 Monate |
| Auskunft Insolvenzgericht | Amtsgericht | 15–18 EUR | 3 Monate |
| Auskunft Schuldnerverzeichnis | Vollstreckungsportal | 4,50 EUR | 3 Monate |
| Handelsregisterauszug (GmbH) | Registergericht | 9 EUR online | 3 Monate |
| Krankenversicherungsbescheinigung | Krankenkasse | 0 EUR | 3 Monate |
Erlaubnis bei juristischen Personen
Bei einer GmbH oder UG müssen alle vertretungsberechtigten Geschäftsführer die Voraussetzungen persönlich erfüllen. Wechselt der Geschäftsführer, ist eine neue Prüfung notwendig. Die Erlaubnis ist personengebunden bzw. an die juristische Person gebunden — sie kann nicht verkauft oder übertragen werden, auch nicht im Asset Deal.
Maklererlaubnis für EU-Ausländer und Niederlassungsfreiheit
EU-Bürger profitieren von der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit. Wer in einem anderen EU-Mitgliedstaat bereits eine vergleichbare Erlaubnis besitzt, kann die Anerkennung nach § 13a GewO beantragen. Bei dauerhafter Niederlassung in Deutschland ist trotzdem die Eintragung beim deutschen Gewerbeamt notwendig — Nachweise aus dem Heimatland dürfen aber weitgehend übernommen werden.
Praxis-Tipp: Wer als EU-Bürger ohne deutsche Steuer-ID antritt, sollte parallel zur Maklererlaubnis sofort beim Finanzamt eine steuerliche Erfassung beantragen — sonst blockiert die fehlende Unbedenklichkeitsbescheinigung den Antrag wochenlang.
Antrag, Kosten und Bearbeitungsdauer der Maklererlaubnis
Zuständig ist die Gewerbebehörde am Geschäftssitz — je nach Bundesland Ordnungsamt, IHK oder Bezirksregierung. Die Bearbeitung dauert typischerweise vier bis zwölf Wochen. Wer den Tätigkeitsbeginn plant, sollte den Antrag mindestens drei Monate vorher einreichen.
Gebühren der Maklererlaubnis nach Bundesland
Die Erlaubnisgebühr ist Ländersache und schwankt erheblich. Neben der reinen Erlaubnisgebühr fallen Gewerbeanmeldung, IHK-Beiträge und Nachweiskosten an. Realistisch sollten Gründer mit 600 bis 1.200 Euro Gesamtaufwand kalkulieren.
| Bundesland | Erlaubnisgebühr | Bearbeitungsdauer | Zuständigkeit |
|---|---|---|---|
| Bayern | 150–400 EUR | 4–8 Wochen | Kreisverwaltungsreferat |
| Nordrhein-Westfalen | 200–500 EUR | 6–10 Wochen | Ordnungsamt |
| Berlin | 200–550 EUR | 8–12 Wochen | Bezirksamt |
| Hamburg | 250–600 EUR | 4–8 Wochen | Bezirksamt Wirtschaft |
| Baden-Württemberg | 180–450 EUR | 6–10 Wochen | IHK / Stadt |
| Sachsen | 150–350 EUR | 4–8 Wochen | Landratsamt |
| Hessen | 200–500 EUR | 6–10 Wochen | Ordnungsamt |
| Niedersachsen | 170–400 EUR | 4–10 Wochen | Gewerbeamt |
| Rheinland-Pfalz | 150–380 EUR | 4–8 Wochen | Verbandsgemeinde |
Antragsunterlagen für die Maklererlaubnis
Vollständigkeit beschleunigt das Verfahren erheblich. Häufigster Verzögerungsgrund: veraltete Nachweise (älter als 3 Monate) oder fehlende Geschäftsführerunterlagen bei GmbHs.
- Ausgefüllter Antrag nach § 34c GewO
- Aktuelles Führungszeugnis Belegart O
- Gewerbezentralregisterauszug Belegart 9
- Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts
- Auskunft Insolvenz- und Schuldnerverzeichnis
- Handelsregisterauszug bei juristischen Personen
- Ausweiskopie aller Geschäftsführer
- Mietvertrag oder Eigentumsnachweis Geschäftssitz
Pflichten nach Erteilung der Maklererlaubnis
Mit der Erlaubnis beginnen die laufenden Pflichten aus der MaBV. Verstöße werden nicht selten geprüft — die Behörden führen Stichprobenkontrollen durch und können bei groben Mängeln die Erlaubnis widerrufen.
Weiterbildungspflicht zur Maklererlaubnis
Es gilt: Jeder gewerbliche Immobilienmakler muss innerhalb von drei Jahren 20 Stunden Weiterbildung nachweisen (§ 15b MaBV). Die Pflicht trifft auch alle Mitarbeiter, die unmittelbar an der Vermittlung beteiligt sind. Themenfelder: Recht, Kapitalanlage-Kalkulation, Energieausweis, Geldwäscheprävention. Anerkannt werden Präsenzveranstaltungen, Webinare mit Lernkontrolle und betriebsinterne Schulungen mit Dokumentation.
Geldwäschegesetz und Identifizierungspflicht
Immobilienmakler sind nach § 2 Abs. 1 Nr. 14 GwG Verpflichtete. Bei jedem Vermittlungsauftrag müssen Käufer, Verkäufer, Mieter und Vermieter identifiziert werden — bei Wohnraummiete erst bei einer Nettokaltmiete ab 10.000 EUR/Monat. Aufzeichnungen sind fünf Jahre aufzubewahren. Verstöße kosten bis 100.000 EUR Bußgeld pro Fall, in schweren Fällen auch deutlich mehr nach § 56 GwG.
Versicherungspflicht und Vermögensschaden-Haftpflicht
Eine Versicherung ist gesetzlich zwar nicht zwingend für reine Vermittler — wirtschaftlich aber unverzichtbar. Marktüblich ist eine Vermögensschaden-Haftpflicht mit mindestens 500.000 EUR Deckungssumme pro Schadenfall. Beiträge liegen bei 300–800 EUR/Jahr. Bei Bauträgern und Baubetreuern (§ 34c Abs. 1 Nr. 4) verlangt § 2 MaBV zwingend Sicherheitsleistungen oder Bürgschaften für Kundengelder.
Informations- und Aufzeichnungspflichten
Auftraggeber müssen vor Vertragsschluss schriftlich über Provisionshöhe, Identität des Maklers und Verflechtungen informiert werden. Aufzeichnungen sind fünf Jahre aufzubewahren. Bei Vermittlungen an Verbraucher gelten zusätzlich die Regeln der Textform (§ 656a BGB).
| Pflicht | Rechtsgrundlage | Frist / Umfang |
|---|---|---|
| Weiterbildung | § 15b MaBV | 20 Std. / 3 Jahre |
| Aufzeichnungen aufbewahren | § 10 MaBV | 5 Jahre |
| Geldwäscheprüfung | § 10 GwG | vor Vermittlung |
| Textform Maklervertrag (Wohnimmobilien) | § 656a BGB | vor Provision |
| Provisionsteilung Käufer/Verkäufer | § 656c BGB | 50/50 bei Doppeltätigkeit |
| Energieausweis vorlegen | § 87 GEG | spätestens Besichtigung |
| Bestellerprinzip Mietvermittlung | § 2 WoVermittG | Auftraggeber zahlt |
Provision, Bestellerprinzip und Maklererlaubnis
Die Erlaubnis ist Voraussetzung — die Provision regeln aber andere Normen. Es gilt für Wohnimmobilien das Provisionsteilungsgebot: bei Doppeltätigkeit muss der Makler von Käufer und Verkäufer denselben Betrag verlangen, üblich sind 3,57 % inkl. USt je Seite.
Rechenbeispiel 1: Maklerprovision bei 400.000 EUR Kaufpreis
Bei einem Kaufpreis von 400.000 EUR und 3,57 % Provision pro Seite zahlt der Käufer 14.280 EUR, der Verkäufer ebenfalls 14.280 EUR. Das ist Teil der gesamten Kaufnebenkosten, die je nach Bundesland 9–12 % des Kaufpreises ausmachen — nachprüfbar in der Übersicht Kaufnebenkosten nach Bundesland. Wer die Belastung eines Kaufs prüfen will, sollte zusätzlich die monatliche Belastung und die Mietrendite kalkulieren.
Rechenbeispiel 2: Provisionspflicht bei Mehrfamilienhaus-Investment
Ein Investor erwirbt ein Zinshaus für 1,2 Mio. EUR über einen § 34c-Makler. Provision je Seite: 3,57 % = 42.840 EUR. Hinzu kommen Grunderwerbsteuer (z.B. 6,5 % NRW = 78.000 EUR), Notarkosten rund 18.000 EUR. Gesamtnebenkosten: ca. 138.840 EUR — das sind 11,57 % vom Kaufpreis. Ohne korrekte Maklererlaubnis wäre der Provisionsanspruch im Streitfall nicht durchsetzbar; der Investor könnte 42.840 EUR rückwirkend zurückfordern. Eine seriöse Kalkulation prüft daher zuerst die Erlaubnislage, bevor der Kaufpreisfaktor oder die Eigenkapitalrendite berechnet wird.
Steuerliche Behandlung der Maklerprovision
Bei vermieteten Objekten ist die Provision Teil der Anschaffungsnebenkosten und wird über die Gebäude-AfA (in der Regel 50 Jahre) abgeschrieben — nicht sofort absetzbar. Bei Eigennutzung ist die Provision steuerlich verloren. Beim Verkauf innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist mindert die ursprüngliche Provision den Veräußerungsgewinn (siehe Spekulationssteuer) und damit die Steuerlast. Bei Denkmal-AfA-Objekten gelten Sonderregeln für die Aufteilung.
Folgen einer fehlenden Maklererlaubnis
Ohne § 34c-Erlaubnis ist der Maklervertrag zwar nicht automatisch nichtig — die Provisionsforderung wird aber regelmäßig wegen Verstoßes gegen § 134 BGB i. V. m. gewerberechtlichen Schutznormen gekürzt oder versagt. Bußgelder bis 50.000 EUR sind möglich, hinzu kommen Rückforderungen und i

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