Baujahr vor 1900: Typische Mängel, Energieeffizienz & Dachkonstruktionen
Baujahr vor 1900 – Altbau Häuser, die 1890, 1880, 1870 oder sogar noch früher erbaut wurden, gibt es die noch? Ja, und wahrscheinlich mehr, als Sie auf Anhieb denken würden. Nach aktuellen Zahlen wurden 2,65 Millionen Immobilien in Deutschland vor 1919 gebaut, die noch heute im Markt sind. Ein großer Teil davon wurde sogar schon vor 1900 gebaut. Im Vergleich: Immobilien aus 1919–1939 bzw. bis 1949, gibt es noch zu etwa 2,37 Millionen im Bestand. Umso wichtiger ist es, die typischen Mängel zu kennen, wenn Sie eine Immobilie kaufen wollen, die vor 1900 gebaut wurde. Von Fassade über Dämmung, Dach und Keller, auf welche Mängel Sie zu achten haben, das zeigen wir Ihnen hier. Zurück zur Übersicht: Altes Haus, Baujahre und Mängel. Sie sind auf der Suche nach guten Handwerker*innen? In unserer Karte finden Sie gute Handwerker in der Nähe.
Altes Haus: Über 120, 130, 140 Jahre alt

Baujahre & Mängel im Vergleich
Immobilien, deren Baujahr vor 1900 liegt, sind mittlerweile über 120, 130, 140 Jahre alt. Baumaterial, Brandschutz, Dämmung, alles war anders oder nicht vorhanden. Statt Edelstahl oder Kupfer wurden noch Bleirohre verwendet – gesundheitsschädlich! Als Kapitalanleger hat das verheerende Auswirkung auf Ihre Rendite. Ein Blick auf Immobilien mit Baujahr vor 1900, inklusive Mängel-Checkliste!
Bevor wir die Mängel im Detail betrachten, zunächst ein Überblick über die Problemzonen.
Mängel der Immobilien von vor 1900 im Überblick
Zu Beginn die typischen Mängel von vor 1900 in kurz zusammengefasst:
- Mauerwerk-Risse: Risse im Mauerwerk beeinträchtigen die Stabilität des Gebäudes
- Veraltete Elektrik: Risiko für Brände durch veraltete oder unsichere elektrische Systeme
- Schimmelbildung: Schimmelbildung aufgrund von begrenzter Belüftung
- Undichte Fenster: Abdichtung von Fenstern wegen Alterung
- Veraltete Heizung: Ältere Heizsysteme sind oft ineffizient und teuer im Betrieb
- Einsturzgefahr: Anfällig für Einstürze aufgrund von Fundamentproblemen
- Asbestbelastung: Asbest als gängiges Baumaterial – bei Einatmung gesundheitsschädlich
- Bleirohre: Nutzung von Bleirohre für die Trinkwasserversorgung
- Dachprobleme: Feuchtigkeitsprobleme durch Verschleiß, Alterung oder schlechter Wartung
- Mangelhafte Isolierung: Energieverlusten und höheren Heizkosten
Immobilien aus ca. 1850 bis 1900 sind aus der „Gründerzeit“. Der Name leitet sich aus der Industrialisierung her. Architektonisch wurden insbesondere 3- bis 6-geschossige Mehrfamilienhäuser gebaut. Ihr Charakteristikum: die dekorativen Fassaden.
Typische Mängel: Fassade, Dämmung, Dach und Keller
Tückisch und typisch für ältere Immobilie sind Risse im Putz oder auch im Mauerwerk. Das heißt aber auch, viele moderne Elemente sind nicht vorhanden. Zum Beispiel fehlt die Wärmedämmung, da Ziegel ohne Dämmung auf den Dächern liegen.
Energieeffizienz war noch kein Thema
Ebenso wenig, bei allen eingebauten Fenstern, meist einfach-verglast und nach über hundert Jahren morsch. Genauso wie Schalldämmung für Fassenden und Zwischenböden.
Bauweise: Immobilien vor 1900
Wir beginnen beim Dachstuhl und gehen in die Substanz und ihre typischen Mängel.

Typisch für ältere Immobilien: die dekorative Fassade aus der Gründerzeit.

Marode Dachkonstruktionen & baustatische Probleme
Dachkonstruktionen können aufgrund von Alter und Witterungseinflüssen beschädigt und undicht werden. Dies führt häufig zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung. Die statische Integrität des Gebäudes wird beeinträchtigt. Ältere Gebäude haben häufig Fundamente, die nicht den aktuellen Anforderungen entsprechen oder statische Probleme aufweisen, die die Integrität des Gebäudes beeinträchtigen können.
Wenn ein Dach aufgibt und unter Feuchtigkeit nicht mehr hält, sieht das häufig so aus:

Mangelnde Dämmung & undichte Fenster oder Türen
Ältere Gebäude wurden häufig ohne modernes Wissen über Wärmeisolierung erbaut, was häufig dazu führt, dass sie sehr ineffizient sind und viel Wärme verlieren. Die Folgen: Hohen Heizkosten und drastische Feuchtigkeitsschäden. Auch alte Fenster und Türen können undicht werden und dadurch Wärme verlieren.
Oftmals muss in älteren Gebäuden die Heizanlage erneuert werden. Alles über Heizungen und ihre Funktionen in unserem Ratgeber.
Sanitäre Anlagen und Elektroinstallationen
Zentralheizungen waren noch kein Thema. Hier finden Sie Einzelöfen mit Kaminabzug, manchmal auch Gas. Ein weiterer Aspekt, den Sie in solchen Immobilien begegnen werden, sind feuchte Kellerräume und Dachböden. Auch im Sanitärbereich haben Immobilien vor 1900 typische Mängel. Häufig wurden etwa Bleirohre für Wasserleitungen verbaut. Solche Bleileitungen sind seit 1971 nicht mehr zulässig.
Ebenso veraltet sind die Elektroinstallationen im Haus. War Elektronik verbaut, ist sie jetzt meist unbrauchbar. Die Technik war vor 120 Jahren eine ganz andere, deutlich reduzierter. Das vorhandene System und die Leitungen entsprechen also nicht den heutigen Standards.
Lesen Sie in unserem Ratgeber alles über die Sanierung der Sanitäranlagen und die Erneuerung der Elektronik.
Checkliste: 10 Mängel, die Sie kennen sollten!
Typische Mängel, vor 1900 gebaut:
| Mangel | Beschreibung |
|---|---|
| Mauerwerk-Risse | Risse im Mauerwerk werden durch Setzung oder Feuchtigkeit verursacht und beeinträchtigen die Stabilität des Gebäudes |
| Veraltete Elektrik | Risiko für Brände durch veraltete oder unsichere elektrische Systeme |
| Schimmelbildung | Schimmelbildung in Bereichen mit begrenzter Belüftung. |
| Undichte Fenster | Abdichtung von Fenstern ist aufgrund von Alterung und Verschlechterung beeinträchtigt |
| Veraltete Heizung | Ältere Heizsysteme sind oft ineffizient und teuer im Betrieb. Ebenso stellen sie ein Sicherheitsrisiko dar. |
| Einsturzgefahr | Anfällig für Einstürze aufgrund von Fundamentproblemen, fehlender Wartung oder Verfall |
| Asbestbelastung | Asbest als gängiges Baumaterial – bei Einatmung gesundheitsschädlich |
| Bleirohre | Nutzung von Bleirohre für die Trinkwasserversorgung. Bleihaltiges Wasser ist gesundheitsschädlich |
| Dachprobleme | Feuchtigkeitsprobleme durch Verschleiß, Alterung oder schlechter Wartung des Daches |
| Mangelhafte Isolierung | Unzureichende Isolierung, was zu Energieverlusten und höheren Heizkosten führt |
Die Infografik fasst die Mängel der Immobilien aus den Baujahren vor 1900 zusammen:

Was ist beim Kauf zu beachten? Reparatur & Kosten
Beachten Sie, dass Immobilien aus den Baujahren vor 1900, als Investment-, Rendite Immobilie oder Fix & Flip Objekt eher ungeeignet sind. Der Aufwand für die Reparatur ist oftmals zu hoch, dass Sie effektiv Rendite, eine langfristige Wertsteigerung oder eine ordentliche Gewinnmarge für Fix & Flip erzielen können.
Für Fix & Flip sind die Kosten für das Aufwerten der Immobilie zu hoch.
Um den Aufwand nochmals zu veranschaulichen, hier ein Überblick über die Maßnahmen, die für Sie anfallen. Zusätzlich erfahren Sie aber auch, welche Handwerker Sie für die einzelnen Reparaturen nutzen können.
Reparaturmaßnahmen: Was ist tun und welche Handwerker gibt es?
Die passenden Reparaturmaßnahmen für die typischen Mängel:
| Mangel | Reparaturmaßnahme | Benötigte Handwerker |
|---|---|---|
| Mauerwerk-Risse / Einsturzgefahr | Reparatur der Risse durch Füllen mit Mörtel oder Injektionsharz | Maurer |
| Veraltete Elektrik | Installation eines neuen, modernen elektrischen Systems | Elektriker |
| Schimmelbildung | Entfernung des Schimmels und Reparatur der feuchten Stellen | Trockenbauer |
| Undichte Fenster | Abdichtung oder Austausch der Fenster | Fensterbauer |
| Veraltete Heizung | Installation eines neuen, effizienten Heizsystems | Installateur |
| Asbestbelastung | Entfernung des Asbests | Maurer |
| Bleirohre | Austausch der Bleirohre | Installateur |
| Dachprobleme | Reparatur oder Ersetzung des Daches | Dachdecker |
Jetzt wissen Sie, welche Handwerker Sie für Ihre Reparatur benötigen. Finden Sie mit unserer Handwerker-Suche den richtigen Handwerker in Ihrer Nähe.
Noch eine interessante Frage, die uns manchmal von Erstkäufern begegnet:
Kann eine Immobilie zu alt sein?
Zugegeben, die Frage „Kann eine Immobilie zu alt sein?“, haben wir etwas spitz formuliert! Doch tatsächlich haben Immobilien lang Bestand, bei regelmäßiger Instandhaltung ihrer Eigentümer. 50, 60, 70, auch 100 Jahre und mehr.
Denken Sie nur an Immobilien in Berlin-Mitte, viele sind über 100 Jahre alt, gehören aber zu den teuersten in der Stadt. In München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Dresden und vielen anderen Städten ist es genauso. „Alt“ heißt auch, dass die Immobilie in einer gewachsenen Infrastruktur gelegen ist.
Altbau sanieren: Schäden, Mängel & Lösungen
Entscheiden Sie sich endgültig für den Kauf eines Altbaus, sollten Sie einen Plan für die Sanierung aufstellen. Vor allem die Elektrotechnik oder die Dämmung des Daches können Problemzonen sein. Alles, was Sie beachten müssen und welche Bereiche noch sanierungsbedürftig sein könnten, mehr dazu in unserem Ratgeber.
Baujahr vs. Baujahr: Vergleich
Was müssen Sie beachten für Ihre Besichtigung und / oder Bewertung einer alten Immobilie? Welche typischen Mängel bringen die anderen Baujahre mit sich? Finden Sie es hier heraus, im Baujahr Vergleich:
Tipp! Hier finden Sie noch mehr Immobilien Rechner aus unserer Immobilien App.
Baujahr Immobilie: Alle Jahre, eine Liste
Hätten Sie gedacht, dass über 2.650.000 Immobilien in Deutschland noch vor 1919 gebaut wurden? Alte Immobilien, Häuser und Wohnungen, bringen ihre Nachteile mit sich, aber auch Vorteile. Doch worauf müssen Sie achten, je nach Alter der Immobilie?

Photo: Rudmer Zwerver / shutterstock.com
Häuser vor 1900 — Gründerzeit und Historismus
Wer ein Haus aus der Zeit vor 1900 kauft oder bewertet, sollte die bauhistorischen Hintergründe kennen. Die Architektur dieser Epoche war geprägt von drei Bauphasen, die sich in Konstruktion, Materialwahl und Grundrissgestaltung deutlich unterscheiden:
- Spätklassizismus (bis 1850): Schlichte, symmetrische Fassaden, flache Stuckelemente, hohe Deckenhöhen. Typisch für Bürgerhäuser in preußischen Städten.
- Gründerzeit (1871–1900): Wirtschaftsaufschwung nach der Reichsgründung führte zu einem Bauboom. Repräsentative Fassaden mit Historismus-Elementen (Neorenaissance, Neobarock, Neogotik), reichverzierter Stuck, Erker und Balkone.
- Historismus: Bewusste Rückgriffe auf historische Stile. Fassaden mit Pilastern, Gesimsen und Ornamentik. Sandstein und Ziegel als Hauptbaumaterialien.
Typische Konstruktionsmerkmale
- Außenmauerwerk: Massivziegel oder Sandstein, 50–80 cm Wandstärke — deutlich dicker als moderne Bauten. Hohe Wärmespeicherkapazität, aber schlechte Wärmedämmwerte nach heutigen Maßstäben.
- Holzbalkendecken: Eichenholz oder Nadelholz, eingebettet in Ziegelmauerwerk. Deckenhöhen von 3,20–4,00 m (heute üblich: 2,50 m). Vorteil: Tragfähig und langlebig bei guter Pflege. Nachteil: Anfällig für Schwammbefall und Fäulnis bei dauerhafter Feuchte.
- Grundrisse: Klare Trennung zwischen repräsentativer Vorderwohnung (Salon, Esszimmer, Herrenzimmer) und Hinterwohnungen. Hinterhäuser und Seitenflügel waren oft kleiner und einfacher ausgestattet. Innenhöfe (Berliner Höfe) typisch für Mietskasernen.
- Keller: Meist Naturstein oder Ziegelgewölbe ohne heutigen Perimeterschutz. Kellerböden oft aus gestampftem Lehm oder Ziegelsteinen ohne Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit.
Typische Mängel und Schäden bei Häusern vor 1900
Altbauten aus der Zeit vor 1900 haben eine Reihe von spezifischen Schwachstellen. Diese Übersicht hilft bei der Kostenplanung:
| Problem | Ursache | Sanierungskosten ca. | Pflicht? |
|---|---|---|---|
| Bleirohre (Trinkwasser) | Vor 1973 Standard, heute gesundheitsschädlich (TrinkwV) | 3.000–8.000 € | Ja (Pflicht bei Nachweis) |
| Holzbalkendecken: Schwamm/Fäulnis | Dauerhafter Feuchteeinfluss, mangelnde Belüftung | 15.000–50.000 € je Etage | Nein (Statik prüfen) |
| Feuchter Keller | Kein Perimeterschutz, kein Spritzwasserschutz | 5.000–20.000 € | Nein (empfohlen) |
| Setzungsrisse im Mauerwerk | Kalkmörtel, Gründungsprobleme | 2.000–15.000 € | Nein (Statiker prüfen) |
| Fehlende Wärmedämmung | GEG-Anforderungen kaum ohne Fassadeneingriff erfüllbar | 20.000–80.000 € | GEG §47 (bei Sanierung) |
| Veraltete Elektroinstallation | Aluminiumdrähte, fehlende FI-Schutzschalter | 8.000–25.000 € | Bei Verkauf oft fällig |
| Denkmalschutz-Auflagen | Sanierung teurer durch behördliche Vorgaben | +30–50 % Mehrkosten | Behörde entscheidet |
Wichtig: Bei einem unsanierten Altbau vor 1900 sollten Käufer einen Sanierungspuffer von mindestens 30–50 % des Kaufpreises einplanen. Ein baubegleitender Sachverständiger (§ 650p BGB) ist bei Objekten dieser Altersklasse keine Option, sondern Pflicht.
Wert eines Hauses vor 1900 — Was ist es wert?
Der Wert eines Altbaus aus der Zeit vor 1900 hängt von mehreren Faktoren ab, die sich stark gegenseitig beeinflussen können:
- Lage: Entscheidet 60–70 % des Werts. Ein Gründerzeit-Altbau in Berlin Prenzlauer Berg erzielt das Drei- bis Vierfache eines baugleichen Objekts in einer strukturschwachen Region.
- Denkmalschutz: Kann Wert erhöhen (Denkmal-AfA als Steuerbonus für Investoren) oder senken (Pflicht zur denkmalgerechten Sanierung, höhere Kosten).
- Zustand der Bausubstanz: Kernsaniert erzielt Aufpreise von 30–50 % gegenüber teilsaniert; unsaniert bedeutet Abschläge von 30–60 % je nach Sanierungsstau.
Kaufpreisfaktoren für Altbauten vor 1900 nach Region und Zustand
| Zustand | Großstadt A-Lage | Großstadt B-Lage | Mittelstadt | Kleinstädte |
|---|---|---|---|---|
| Kernsaniert | 35–50x Jahresnettomiete | 22–32x | 14–20x | 8–14x |
| Teilsaniert | 25–38x | 16–24x | 10–16x | 6–10x |
| Unsaniert | 15–25x | 10–16x | 7–12x | 4–8x |
Zum Vergleich: Neubauten in A-Lagen erzielen häufig 30–40x die Jahresnettomiete. Gut sanierte Gründerzeit-Altbauten mit Stuckdecken und großzügigen Grundrissen können in gefragten Lagen mit Neubauten konkurrieren.
Denkmal-AfA — steuerlicher Vorteil bei Altbauten
Häuser vor 1900 stehen häufig unter Denkmalschutz oder befinden sich in Sanierungsgebieten. Das eröffnet erhebliche Steuervorteile nach §§ 7h/7i EStG:
- Vermieter (§ 7i EStG): Sanierungskosten können über 12 Jahre erhöht abgeschrieben werden — 9 % in den ersten 8 Jahren, 7 % in den Jahren 9–12. Das ergibt eine vollständige Abschreibung von 100 % der anerkannten Sanierungskosten.
- Eigennutzer (§ 10f EStG): 9 % über 10 Jahre = 90 % der Sanierungskosten als Sonderausgaben absetzbar.
Rechenbeispiel Denkmal-AfA
Sanierungskosten: 200.000 € | Steuersatz: 42 %
- Jahres-AfA (Vermietung, Jahr 1–8): 200.000 € × 9 % = 18.000 €
- Steuerersparnis pro Jahr: 18.000 € × 42 % = 7.560 €/Jahr
- Gesamtersparnis über 12 Jahre: ca. 80.000–85.000 €
Voraussetzung: Die Denkmalbehörde muss die Maßnahmen vorab genehmigen und schriftlich bestätigen. Ohne Vorabgenehmigung entfällt der AfA-Vorteil vollständig — dieser Fehler ist irreversibel.
GEG-Anforderungen für Häuser vor 1900
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt auch an Altbauten Anforderungen, sobald bestimmte Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden:
- Oberste Geschossdecke (§ 47 GEG): Musste bis 31.12.2015 gedämmt sein oder es muss das Dach darüber gedämmt sein. Gilt für bestehende Gebäude — auch Altbauten vor 1900.
- Heizkessel (§ 72 GEG): Öl- und Gasheizkessel, die älter als 30 Jahre sind (Baujahr vor 1995), müssen ausgetauscht werden. Bei Altbauten vor 1900 sind veraltete Heizungen häufig vorzufinden.
- Fassade: Keine allgemeine Nachrüstpflicht, solange keine vollständige Erneuerung der Außenwand erfolgt (§ 48 GEG).
Sonderregelung Denkmalschutz (§ 105 GEG): Bei Baudenkmälern kann von den energetischen Anforderungen abgewichen werden, wenn deren Erfüllung die Eigenart oder das Erscheinungsbild des Denkmals beeinträchtigen würde. Dies muss im Einzelfall mit der Denkmalschutzbehörde und dem zuständigen Energieberater abgestimmt werden.
Kaufcheckliste für Häuser vor 1900
Diese 10-Punkte-Checkliste sollte vor jedem Kaufentscheid eines Altbaus aus der Zeit vor 1900 abgearbeitet werden:
- Bauakte beim Baurechtsamt anfordern: Gibt es Baugenehmigungen, dokumentierte Umbauten, Abweichungen vom Original?
- Denkmalstatus prüfen: Einzel- oder Ensembledenkmal? Liegt das Objekt in einem Sanierungsgebiet? (Zuständig: Untere Denkmalschutzbehörde)
- Energieausweis anfordern: Pflicht bei Verkauf (§ 80 GEG). Gibt Hinweis auf Sanierungsbedarf und Energieeffizienzklasse.
- Statisches Gutachten für Holzbalkendecken: Schwamm, Hausschwamm (Serpula lacrymans) oder Nagekäferbefall? Tragfähigkeit prüfen lassen.
- Feuchtigkeitsmessung Keller und Erdgeschoss: Aufsteigende Feuchtigkeit ist bei Gebäuden ohne Perimeterschutz häufig — und teuer zu beheben.
- Trinkwasseruntersuchung auf Blei: Bleirohre sind bis 1973 verbaut worden. Vor 1900 erbaute Häuser haben fast immer noch Bleileitungen in Teilen des Netzes.
- Elektro-Überprüfung (E-CHECK): Aluminiumleitungen, fehlende Schutzleiter und FI-Schutzschalter sind Brandrisiko und Versicherungsproblem.
- Schornstein begutachten: Nur zugelassene Schornsteinfeger dürfen Zustand und Nutzbarkeit bewerten. Altbau-Schornsteine sind oft für moderne Heizsysteme nicht geeignet.
- Fassade auf Schäden prüfen: Risse, Setzungsschäden, Putzabplatzer, Sandsteinverwitterung — ein Sachverständiger sollte diese Befunde bewerten.
- Grundbuch auf Lasten prüfen: Wegerechte, Nießbrauch, Erbbaurechte, Grundschulden — Abteilungen II und III des Grundbuchs vollständig lesen (Auszug beim Grundbuchamt oder via Notar).
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Häufige Fragen zu Häusern vor 1900
Wie lange hält ein Haus von 1900?
Ein solide gebautes und gepflegtes Haus vor 1900 kann mehrere Jahrhunderte halten. Massivziegel-Außenwände aus der Gründerzeit überstehen bei normaler Beanspruchung 200–300 Jahre. Kritisch sind Holzbalkendecken (bei Feuchte Schwamm), Dachkonstruktionen (Nagekäfer) und Leitungsinstallationen. Wer regelmäßig saniert, kann ein Haus dieser Altersklasse dauerhaft erhalten — wie Hunderttausende bewohnte Gründerzeithäuser in Deutschland belegen.
Muss ich ein Haus vor 1900 dämmen?
Eine allgemeine Dämmpflicht für die Fassade gibt es nicht, solange keine vollständige Erneuerung der Außenwand stattfindet (§ 48 GEG). Die oberste Geschossdecke oder das Dach muss jedoch mindestens auf U ≤ 0,24 W/(m²K) gedämmt sein (§ 47 GEG). Bei Denkmälern kann die Denkmalschutzbehörde Ausnahmen genehmigen (§ 105 GEG).
Was sind typische Schäden bei Gründerzeit-Häusern?
Die häufigsten Probleme sind: feuchte Keller (kein Perimeterschutz), Echter Hausschwamm in Holzbalkendecken, veraltete Blei- und Aluminiumleitungen, Setzungsrisse im Mauerwerk sowie Fassadenschäden durch Sandsteinverwitterung. Hinzu kommen oft unzureichende Wärmedämmung und veraltete Heizsysteme, die nach GEG § 72 ausgetauscht werden müssen.
Lohnt sich der Kauf eines unsanierten Altbaus vor 1900?
Das hängt entscheidend von Lage, Kaufpreis und verfügbarem Eigenkapital für die Sanierung ab. In A-Lagen (Berlin Mitte, Hamburg Altona, München Maxvorstadt) ist ein unsanierter Gründerzeit-Altbau oft lukrativ — Sanierungskosten werden durch Wertsteigerung und Denkmal-AfA überkompensiert. In strukturschwachen Lagen kann der Sanierungsaufwand den Marktwert übersteigen. Grundregel: Kaufpreis + Sanierungskosten sollten maximal 80 % des Marktwerts nach Sanierung betragen (Sicherheitsmarge für Risiken).
Gilt für Häuser vor 1900 das GEG?
Ja, das GEG gilt grundsätzlich auch für Altbauten vor 1900 — allerdings mit Ausnahmen für Denkmäler (§ 105 GEG). Die Nachrüstpflichten betreffen vor allem die oberste Geschossdecke/Dach (§ 47 GEG) und veraltete Heizkessel über 30 Jahre (§ 72 GEG). Bei Vollsanierungen müssen die aktuellen Anforderungen an Wärmedurchgangskoeffizienten eingehalten werden, sofern keine Denkmalschutz-Ausnahme greift.

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